Endometriose
Schmerzlinderung je nach Endometriose-Typ
Original Titel:
Differences in response to dienogest therapy among different phenotypes of endometriosis: A single-center retrospective cohort analysis
- Endometriose-Behandlung mit Dienogest – effektiv für alle?
- Ovarielle Endometrioma, oberflächlich-peritoneale Endometriose, tief-infiltrierende Endometriose
- Retrospektive Kohortenanalyse mit 501 Frauen
- Wirksam für alle, aber je nach Subtyp nicht immer ausreichend
MedWiss – Eine retrospektive Kohortenanalyse über 501 Frauen mit Endometriose fand, dass Dienogest sowohl bei ovariellen Endometrioma, als auch bei oberflächlich-peritonealer oder tief-infiltrierender Endometriose wirksam Schmerzen lindern, Läsionsgrößen reduzieren und die Lebensqualität verbessern kann. Je nach Endometriose-Untergruppe kann jedoch gezieltere Aufmerksamkeit im Management nötig sein.
Endometriose betrifft nach aktuellen Schätzungen weltweit jede 10. Frau im gebärfähigen Alter. Typischerweise sind starke Schmerzen, häufig im Unterbauch, das belastendste Symptom. Allerdings gibt es unterschiedliche Symptombilder und Schweregrade der Endometriose je nach Lokalisation der Endometriose-Läsionen. Eine mögliche Behandlung ist der Wirkstoff Dienogest. Wissenschaftler untersuchten nun, wie wirksam diese Therapie einzelnen Untergruppen der Endometriose helfen kann.
Endometriose-Behandlung mit Dienogest – effektiv für alle?
Die Autoren untersuchten Therapieeffekte bei Frauen mit ovariellen Endometrioma, oberflächlich-peritonealer Endometriose und tief-infiltrierender Endometriose. Die retrospektive Kohortenanalyse wurde in einem Behandlungszentrum durchgeführt. Frauen, die eine Endometriose-Diagnose und -Behandlung im Klinikum zwischen Januar 2023 und Januar 2024 erhielten, wurden nach Untergruppen der Endometriose klassifiziert. Alle hier betrachteten Patientinnen wurden in Monotherapie mit Dienogest (2 mg/Tag) über mindestens 6 Monate behandelt. Die Studie verglich Unterschiede in Schmerzstärke (‘Schmerzlineal’ visuelle Analogskala, VAS), Läsionsgröße, spezifische Blutspiegel (ein in der Forschung untersuchter möglicher Biomarker für Endometriose, CA125), Lebensqualität (36-Item Short Form Health Survey) sowie unerwünschte Ereignisse. Die Analyse verglich sämtliche Maße vor Behandlungsbeginn mit einem Zeitpunkt nach der Behandlung und betrachtete Unterschiede zwischen den drei Gruppen.
Retrospektive Kohortenanalyse mit 501 Frauen
Insgesamt analysierten die Wissenschaftler Daten von 501 Frauen mit Endometriose, von denen 276 an ovariellen Endometrioma litten, 125 Frauen erhielten die Diagnose einer oberflächlich-peritonealen Endometriose und 100 Frauen litten an tief-infiltrierender Endometriose.
Zu Beginn waren Erkrankungsdauer, Schmerzstärke und CA125-Spiegel signifikant höher bei den Frauen mit tief-infiltrierender Endometriose als in den beiden anderen Gruppen (p < 0,001). Nach einer Behandlung über 6 Monate sanken die durchschnittlichen Schmerzstärken, Läsionsgrößen und CA125-Spiegel signifikant in allen drei Gruppen (p < 0,001). Im Vergleich der drei Gruppen miteinander zeigten sich statistisch signifikante Unterschiede in der Schmerzlinderung speziell für Dysmenorrhö und chronische Unterbauchschmerzen (p < 0,01). Die Gruppe mit oberflächlich-peritonealer Endometriose zeigte hierbei die am wenigsten ausgeprägten Verbesserungen. Bei Frauen mit ovariellen Endometrioma konnte die Läsionsgröße signifikant stärker reduziert werden (47,5 %) als in den anderen Gruppen (oberflächlich-peritoneal: 39,4 %; tief-infiltrierend: 37,9 %; p < 0,001). In der weiteren Analyse zeigte die tief-infiltrierende Endometriose, speziell im Vergleich zu ovariellen Endometrioma, signifikant weniger gute Schmerzlinderung (Odds Ratio, OR: 0,67; 95 % Konfidenzintervall, KI: 0,43 – 0,99; p = 0,046).
Wirksam für alle, aber je nach Subtyp nicht immer genug
Die Autoren schließen, dass Dienogest für alle drei untersuchten Untergruppen von Frauen mit Endometriose wirksam ist. Die Behandlung linderte Schmerzen, reduzierten die Größe der Läsionen und verbesserte die Lebensqualität der Frauen. Litten die Patientinnen jedoch unter tief-infiltrierender Endometriose, die typischerweise mit schweren Symptomen assoziiert ist, schien die Behandlung mit geringerer Wahrscheinlichkeit zu einer signifikanten Schmerzlinderung zu führen. Bei diesen Patientinnen bedürfe das klinische Management demnach gezieltere Aufmerksamkeit.
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