Starkes Übergewicht: Weltweit erhöhtes Risiko für schwere Infektionen

Original Titel:
Adult obesity and risk of severe infections: a multicohort study with global burden estimates

Kurz & fundiert

  • Zusammenhang zwischen Adipositas und Infektionskrankheiten?
  • Große Multikohortenstudie mit 547 264 Erwachsenen aus Finnland und dem Vereinigten Königreich
  • Studienteilnehmer mit Adipositas vs. normalgewichtige Kontrollen
  • 3-fach erhöhtes Risiko für infektionsbedingte Krankenhausaufnahmen und Todesfälle bei Adipositas Grad III
  • 70 % höheres Risiko für schwere, tödliche oder nicht-tödliche Infektionen bei Adipositas Grad I–III
  • 8,6 – 15,0 % infektionsbedingter Todesfälle weltweit womöglich assoziiert mit Adipositas

 

MedWissEine große internationale Studie konnte zeigen, dass Adipositas das Risiko für schwere Infektionen und infektionsbedingte Todesfälle signifikant erhöht. Weltweit könnte etwa jeder 10. infektionsbedingte Todesfall auf Adipositas zurückzuführen sein, so das Fazit der Autoren.


Adipositas im Erwachsenenalter wurde bislang mit einzelnen spezifischen Infektionen in Verbindung gebracht, jedoch fehlt umfassende Evidenz über das gesamte Spektrum infektiöser Erkrankungen. Im Rahmen einer Multikohortenstudie untersuchten Wissenschaftler dies nun.

Adipositas: Risikofaktor für Infektionserkrankungen?

Die Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen Adipositas als Risikofaktor und der Inzidenz, den Krankenhausaufnahmen sowie der Mortalität aufgrund von 925 bakteriellen, viralen, parasitären und mykotischen Infektionskrankheiten. Zudem schätzten sie die globale und regionale Krankheitslast, die auf Adipositas zurückzuführen sein könnte.

Für die Studie wurden Daten aus Finnland und dem Vereinigten Königreich ausgewertet. Der Body-Mass-Index (BMI) wurde zu Studienbeginn erhoben (1998 – 2002 in den finnischen Studien; 2006 – 2010 in der UK Biobank). Zu Beginn wurde ihr Body-Mass-Index (BMI) gemessen und die Teilnehmer wurden je nach Gewicht in Gruppen eingeteilt:

  • Normalgewicht (18,5 – 24,9 kg/m²)
  • Übergewicht (25,0 – 29,9 kg/m²)
  • Adipositas Grad I (30,0 – 34,9 kg/m²)
  • Grad II (35,0 – 39,9 kg/m²)
  • Grad III (≥ 40,0 kg/m²)

Die Nachverfolgung erfolgte über nationale Register für Krankenhausaufenthalte und Mortalität, um infektionsbedingte Krankenhausaufnahmen und Todesfälle zu erfassen. Zusätzlich berechneten die Wissenschaftler mithilfe internationaler Gesundheitsdaten, wie viele Infektionstodesfälle weltweit auf Adipositas zurückzuführen sein könnten und zwar für die Jahre 2018 (vor), 2021 (während) und 2023 (nach der COVID-19-Pandemie).

Multikohortenstudie: Vergleich von Normalgewicht, Übergewicht und Adipositas Grad I – III

Insgesamt umfasste die Analyse 67 766 Erwachsene aus den finnischen Kohorten mit mittlerem Alter von 42,1 Jahren (+/- 10,8 Jahre), darunter 49 516 Frauen (73,1 %) und 18 250 Männer (26,9 %). Aus der UK Biobank betrachtete die Studie 479 498 Erwachsene mit mittlerem Alter von 57,0 Jahren (+/- 8,1 Jahre), mit 261 084 Frauen (54,4 %) und 218 414 Männern (45,6 %). Zu Studienbeginn lag keine kürzliche infektionsbedingte Hospitalisierung vor. Während der Nachbeobachtungszeit traten 8 230 neu diagnostizierte Infektionsfälle in den finnischen Kohorten und 81 945 in der UK Biobank auf.

Bei Adipositas der Grade I – III war das Risiko für schwere, tödliche oder nicht tödliche Infektionen um 70 % erhöht (Hazard Ratio, HR: 1,7; 95 % Konfidenzintervall, KI: 1,7 – 1,8). Der Zusammenhang zeigte sich konsistent über verschiedene Adipositas-Indikatoren wie Body-Mass-Index, Taillenumfang und Taille-zu-Körpergröße-Verhältnis, unterschiedliche demografische und klinische Subgruppen sowie über ein breites Spektrum an Infektionen hinweg. Dies schloss akute und chronische, bakterielle und virale, parasitäre und mykotische Erkrankungen ein.

Erhöhtes Risiko für schwere und tödliche Infektionen

Unter Anwendung dieser Risikoschätzungen auf globale Krankheitslastdaten schätzten die Autoren den Anteil infektionsbedingter Todesfälle in der Bevölkerung ein, der vermutlich Adipositas zugeschrieben werden könnte. Im Jahr 2018 waren dies 8,6 % der infektionsbedingten Todesfälle (95 % KI: 6,6 – 11,1), im Jahr 2021 stieg diese Schätzung, um Laufe der Coronavirus-Pandemie, sogar auf 15,0 % an (95 % KI: 12,8 – 17,4). Im Jahr 2023 schätzten die Autoren den Anteil auf 10,8 % (95 % KI: 8,6 – 13,6).

Gewichtsreduktion: Potenzial zur Prävention von Infektionssterblichkeit

Adipositas im Erwachsenenalter stellt somit laut der Autoren einen Risikofaktor für infektionsbedingte Krankenhausaufnahmen und Mortalität dar. Dies zeigte sich über verschiedene Erregertypen, Bevölkerungsgruppen und Patientengruppen hinweg. Die Ergebnisse legen nahe, dass weltweit etwa 1 von 10 infektionsbedingten Todesfällen auf Adipositas zurückzuführen sein könnte.
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung präventiver Maßnahmen zur Reduktion von Adipositas als potenziellen Ansatz zur Verringerung schwerer Infektionen und infektionsbedingter Todesfälle. Durch eine langfristige Gewichtsnormalisierung mittels ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und Inanspruchnahme medizinischer Angebote kann, so das Fazit, individuell das Risiko für schwere Infektionen und infektionsbedingte Komplikationen gesenkt werden.

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