Konvaleszentenplasma bei COVID-19 senkt Sterberisiko

Original Titel:
The efficacy and safety of convalescent plasma for COVID-19 patients: a meta-analysis based on double-blinded parallel-arm randomized placebo-controlled trials.

Kurz & fundiert

  • Wie wirksam und sicher ist Konvaleszentenplasma bei COVID-19?
  • Systematischer Review mit Metaanalyse über 9 placebokontrollierte klinische Studien
  • Sterblichkeitsreduktion um 36 % bei Patienten bis 60 Jahre

 

MedWiss Ein systematischer Review mit Metaanalyse über 9 randomisierte, placebokontrollierte Studien fand, dass eine Behandlung mit Konvaleszentenplasma das Sterberisiko von Patienten mit COVID-19 senken kann. Dies traf besonders auf Patienten im Alter von bis zu 60 Jahren zu. Die Behandlung reduzierte nicht den Bedarf für invasive mechanische Beatmung, erwies sich aber als sehr sicher, so das weitere Fazit.


Eine Infektion mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 kann zur Erkrankung COVID-19 führen, die bei bestimmten Risikofaktoren lebensbedrohlich verlaufen kann. In der Coronaviruspandemie wurde das von bereits Genesenen gewonnene Konvaleszentenplasma als einer der ersten vielversprechenden Therapieansätze angewandt. Wie sicher und wirksam ist die Behandlung bei Personen mit erhöhtem Risiko für schwere COVID-19-Verläufe?

Wie wirksam und sicher ist Konvaleszentenplasma bei COVID-19?

Wissenschaftler ermittelten dies im Rahmen eines systematischen Reviews mit Metaanalyse, für die sie nur qualitativ-hochwertige, doppelblind placebokontrollierte, randomisierte klinische Studien berücksichtigten.

Die systematische Recherche identifizierte relevante Studien aus den medizin-wissenschaftlichen Datenbanken Embase, PubMed und Web of Science mit Veröffentlichung bis 18. Oktober 2024. Die Metaanalyse betrachtete klinische Verläufe von COVID-19-Patienten je nach Behandlung anhand der Sterberate über 28 Tage, Häufigkeit einer stationären Behandlung, Bedarf für invasive mechanische Beatmung sowie anhand des Auftretens unerwünschter Ereignisse.

Systematischer Review mit Metaanalyse über 9 placebokontrollierte klinische Studien

Die Metaanalyse umfasste 9 doppelblind mit parallelen Gruppen durchgeführte randomisierte klinische Studien mit Placebokontrolle, mit insgesamt 1 898 Patienten in der Interventionsgruppe (mit Konvaleszentenplasma) und 1 696 Patienten in der Kontrollgruppe.

Das Risiko für Voreingenommenheit (Bias-Risiko) kann beispielsweise anhand von Faktoren wie niedriger Patientenzahlen oder dem Studiendesign geschätzt werden. Dieses Bias-Risiko wurde als niedrig zur Frage der Sterberate (7 Studien), zur Rate der Krankenhausbehandlungen (4 Studien), zur invasiven mechanischen Beatmung (3 Studien), sowie zu unerwünschten Ereignissen und zu schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (jeweils 3 Studien) eingeschätzt. Die Studienlage war zu heterogen (I² = 92 %) für eine Metaanalyse zur Häufigkeit stationärer Behandlungen.

  • Sterberisiko: Risk Ratio, RR: 0,78; 95 % Konfidenzintervall, KI: 0,62 – 0,97; p = 0,03
  • Invasive mechanische Beatmung: RR: 0,84; 95 % KI: 0,50 – 1,42; p = 0,51
  • Unerwünschte Ereignisse: RR: 1,01; 95 % KI: 0,78 – 1,32; p = 0,92
  • Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse: RR: 0,96; 95 % KI: 0,73 – 1,28; p = 0,80

Daraus schlossen die Autoren, dass Konvaleszentenplasma das Risiko zu sterben bei COVID-19-Patienten um 22 % reduzierte. Allerdings konnte dieser Effekt im Wesentlichen einer Studie zugeschrieben werden. Die Behandlung zeigte in den analysierten Studien eine hohe Sicherheit, senkte aber nicht die Rate invasiver mechanischer Beatmungen.

In Untergruppenanalysen zeigte die Therapie mit Konvaleszentenplasma eine Sterblichkeitsreduktion um 36 % bei Patienten in einem Alter von bis zu 60 Jahren.

Sterblichkeitsreduktion um 36 % bei Patienten bis 60 Jahre

Demnach kann eine Behandlung mit Konvaleszentenplasma das Sterberisiko von Patienten mit COVID-19 senken, besonders, wenn sie höchstens 60 Jahre alt sind. Die Behandlung reduzierte jedoch nicht den Bedarf für invasive mechanische Beatmung. Die Sicherheit der Behandlung, so das weitere Fazit der Autoren, war exzellent.

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