Erhöhter Triglyzerid-Spiegel, höheres Endometrioserisiko

Original Titel:
From lipid profiles to disease onset: Triglycerides as predictive biomarkers in endometriosis

Kurz & fundiert

  • Spielen Triglyzeride eine (kausale) Rolle bei Endometriose?
  • Analyse von bevölkerungsbasierten Beobachtungsdaten und Genassoziationsstudien
  • Daten von 2 345 Frauen aus der NHANES-Studie
  • Erhöhter Triglyzerid-Spiegel mit höherem Endometrioserisiko assoziiert – womöglich ursächlich

 

MedWiss Ein erhöhter Triglyzerid-Spiegel ist bei Frauen mit höherem Risiko für Endometriose assoziiert, fand eine Analyse von Beobachtungsdaten (NHANES-Studie). Aus großen Gen-Assoziationsstudien ergaben sich zudem Hinweise, dass dem ein kausaler Zusammenhang zugrunde liegen könnte. Die Ergebnisse müssen in prospektiven Studien geprüft werden, bevor klinische Präventionsmaßnahmen entwickelt werden können.


Endometriose ist eine östrogenabhängige entzündliche Erkrankung, bei der sich Gebärmutter-Gewebe in anderen Geweben ansiedelt und zu starken Schmerzen und verschiedenen Folgeproblemen führt. Frühere Studien zeigten, dass sich Endometriose im Zusammenspiel zwischen Hormon- und Immunsystem, genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen entwickelt.

Auch der Fettstoffwechsel könnte eine Rolle spielen. Welche Fette (Lipide) aber besonders relevant sind, ist bislang unklar. Triglyzeride, eine wichtige Lipidart, werden mit der Nahrung aufgenommen und vom Körper zur Energiegewinnung genutzt. Ob diese Fette Einfluss auf Endometriose haben, ist nicht bekannt und sollte nun in einer Studie untersucht werden.

Spielen Triglyzeride eine (kausale) Rolle bei Endometriose?

Wissenschaftler führten eine bevölkerungsbasierte Analyse des Zusammenhangs zwischen Triglyzeriden und Endometriose durch. In die Analyse flossen Lipidprofile und Selbstberichte einer ärztlich-diagnostizierten Endometriose von Frauen ein, die zwischen 1999 und 2006 an einer landesweiten Studie in den USA (National Health and Nutrition Examination Survey, NHANES) teilnahmen. Die Analyse berücksichtigte Behandlungen mit lipidsenkenden Medikamenten. Zur Einschätzung möglicher kausaler Zusammenhänge nutzten die Autoren Daten aus großen Genom-weiten Assoziationsstudien in einer sogenannten Mendelschen Randomisierung.

Analyse von bevölkerungsbasierten Beobachtungsdaten und Genassoziationsstudien

Die Studie umfasste Daten von 2 345 Frauen aus der NHANES-Studie. Im Vergleich der Gruppen je nach Menge an Triglyzeriden im Blut hatte die Gruppe mit dem höchsten Triglyzerid-Spiegel, verglichen mit Frauen mit dem niedrigsten Triglyzerid-Spiegel, ein höheres Risiko für Endometriose (Odds Ratio, OR: 1,71; 95 % Konfidenzintervall, KI: 1,01 – 2,89). In der Gen-Analyse war der genetisch prognostizierte Triglyzerid-Spiegel mit einer Endometriose assoziiert. Es konnten hingegen keine statistisch signifikanten Assoziationen zwischen Endometriose und der zweiten der wichtigsten Lipidgruppen, Cholesterol, festgestellt werden. Dies galt sowohl für Gesamtcholesterol als auch für Lipoprotein niedriger (LDL-Cholesterol) und hoher Dichte (HDL-Cholesterol). Untergruppen-Analysen zeigten keine klaren Einflüsse von Alter, BMI (body mass index) oder wichtigen begleitenden Stoffwechselerkrankungen.

Erhöhter Triglyzerid-Spiegel mit höherem Endometrioserisiko assoziiert – womöglich ursächlich

Demnach zeigte sich ein erhöhter Triglyzerid-Spiegel bei Frauen in der beobachtenden NHANES-Studie assoziiert mit einem höheren Risiko für Endometriose. Eine Analyse von großen Gen-Assoziationsstudien fand darüber hinaus, dass ein höherer Triglyzerid-Spiegel ursächlich zum Endometrioserisiko beitragen könnte. Die Ergebnisse müssen in prospektiven Studien geprüft werden, bevor auf Basis dieser Hinweise klinische Präventionsmaßnahmen entwickelt werden können.

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