Alkohol: Brustkrebshäufigkeit und -prognose

Original Titel:
Association between alcohol consumption and breast cancer incidence and prognosis: A systematic review and meta-analysis.

Kurz & fundiert

  • Wie stark beeinflusst Alkohol Häufigkeit und Prognose von Brustkrebs?
  • Systematischer Review mit Metaanalyse: 37 Studien, 2 565 920 Frauen
  • Alkoholkonsum steigert Brustkrebshäufigkeit – auch in kleinen Mengen
  • Kein Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Rückfallrisiko
  • Weitere Studien zum Zusammenhang zwischen Alkohol und Brustkrebsprognose erforderlich

 

MedWiss Alkoholkonsum beeinflusst einem systematischen Review mit Metaanalyse zufolge die Häufigkeit von Brustkrebserkrankungen. Eine unbedenkliche Menge scheint es nicht zu geben. Weniger eindeutig ist der Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und der Prognose bei Brustkrebs. Die Metaanalyse fand keinen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Rückfallraten. Die Autoren halten aber weitere Studien zum Einfluss von Alkohol auf den Krankheitsverlauf für erforderlich.


Alkohol zählt neben Übergewicht und Rauchen zu den wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für Krebserkrankungen, einschließlich Brustkrebs. Vorausgegangene Studien konnten beispielsweise für Frauen, die täglich 1 – 2 alkoholische Getränke trinken, im Vergleich zu abstinent lebenden Frauen ein 10 – 20 % höheres Brustkrebsrisiko nachweisen. Zum Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und der Prognose bei Brustkrebs lieferten bisherige Studien allerdings widersprüchliche Ergebnisse.

Wie stark beeinflusst Alkohol Häufigkeit und Prognose von Brustkrebs?

Die Zielsetzung eines systematischen Reviews mit Metaanalyse bestand darin, die Häufigkeit von Brustkrebs (Kohorte 1) sowie das Risiko für Rückfälle und die Prognose (Kohorte 2) bei Frauen mit und ohne Alkoholkonsum zu erfassen.

Systematischer Review mit Metaanalyse: 37 Studien, 2 565 920 Frauen

Insgesamt wurden 37 Studien mit 2 565 920 Frauen einbezogen. Davon hatten 17 Studien, die Brustkrebshäufigkeit untersucht und 20 Studien die Prognose (Zahl der Rückfälle, brustkrebsspezifisches Überleben (breast cancer-specific survival, BCSS) und Gesamtüberleben (overall survival, OS). Jeglicher Alkoholkonsum steigerte das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken (Relatives Risiko, RR 1,17; 95 % Konfidenzintervall, KI: 1,09 – 1,26 %; p < 0,001). Dabei stieg die Zahl der Neuerkrankungen mit steigender Menge des konsumierten Alkohols:

  • Geringer Konsum: RR: 1,13; 95 % KI: 1,05 – 1,23 %; p < 0,002
  • Mäßiger Konsum: RR: 1,28; 95 % KI: 1,18 – 1,39 %; p < 0,001
  • Hoher Konsum: RR: 1,52; 95 % KI: 1,38 – 1,67 %; p < 0,001

Hingegen konnte kein Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und erneutem Auftreten von Brustkrebs (RR: 1,02; KI: 0,93 – 1,11) oder dem brustkrebsspezifischen Überleben (RR: 0,93; 95 % KI: 0,87 – 1,00) nachgewiesen werden. Es bestand vielmehr ein Zusammenhang zwischen leichtem und mäßigem Alkoholkonsum und leicht verbessertem Gesamtüberleben (Hazard Ratio, HR: 0,85; 95 % KI: 0,78 – 0,92; p < 0,001 bzw. HR: 0,84; 95 % KI: 0,75 – 0,94; p = 0,002).

Alkoholkonsum steigert Brustkrebshäufigkeit – auch in kleinen Mengen

Zwischen Alkoholkonsum und dem Neuauftreten einer Brustkrebserkrankung besteht demnach ein klarer, dosisabhängiger Zusammenhang. Die Autoren berichten, dass dies besonders für Patientinnen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs zutraf. Die aktuelle Metaanalyse konnte allerdings keinen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und dem Wiederauftreten, dem brustkrebsspezifischen und dem Gesamtüberleben nachweisen. Die Zahlen zur verbesserten Prognose sollten nach Auffassung der Autoren aber mit Vorsicht bewertet werden, da Störfaktoren im Studiendesign dafür verantwortlich sein könnten.

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