Oxaliplatin-Reduktion bei gastrointestinalen Krebserkrankungen: Auswirkungen auf Nebenwirkungen und Prognose

Original Titel:
Reduced oxaliplatin exposure in gastrointestinal cancers: A systematic review and meta-analysis

Kurz & fundiert

  • Reduktion von Oxaliplatin bei gastrointestinaler Krebserkrankung: Auswirkungen auf Überleben und Nebenwirkungen?
  • Systematischer Review mit Metaanalyse von 24 Studien mit Daten von 30 395 Patienten mit gastrointestinaler Krebserkrankung
  • Reduziertes Oxaliplatin vs. Standard-Oxaliplatin-Therapie
  • Keine wesentlichen Unterschiede hinsichtlich des krankheitsfreien, progressionsfreien bzw. Gesamtüberlebens
  • Weniger schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (Grad ≥ 3) und Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathien (Grad 2 und Grad ≥ 3) bei reduziertem Oxaliplatin

 

MedWiss – Bei Patienten mit gastrointestinaler Krebserkrankung traten seltener schwere Nebenwirkungen und Neuropathien auf, wenn die Behandlung mit einer reduzierten Oxaliplatin-Exposition durchgeführt wurde. Die Prognose blieb weitgehend unverändert. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler in einem systematischen Review mit Metaanalyse von 24 Studien.


Eine Chemotherapie mit Oxaliplatin hat sich in der Behandlung von Patienten mit gastrointestinaler Krebserkrankung bewährt und ist fester Bestandteil vieler Therapieregime. Die Kehrseite sind nicht zu unterschätzende Nebenwirkungen wie die Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie. Viele Studien haben sich bereits mit der Frage befasst, ob die Reduktion der Oxaliplatin-Exposition Nebenwirkungen reduziert, ohne die Wirksamkeit zu beeinflussen. Wissenschaftler aus den USA und Brasilien verschafften sich in einem systematischen Review mit Metaanalyse einen Überblick über die aktuelle Datenlage zu dieser Thematik.

Reduktion von Oxaliplatin bei gastrointestinaler Krebserkrankung: Auswirkungen auf Überleben und Nebenwirkungen?

Die Wissenschaftler schlossen Studien in ihren systematischen Review mit Metaanalyse ein, in denen Patienten mit gastrointestinaler Krebserkrankung entweder mit reduziertem Oxaliplatin (ROE, kurz für reduced oxaliplatin exposure) behandelt wurden oder eine standardmäßige Oxaliplatin-basierte Behandlung erhielten. Die Wissenschaftler untersuchten das krankheitsfreie Überleben, das progressionsfreie Überleben sowie das Gesamtüberleben der verschiedenen Patientengruppen. Zudem legten die Wissenschaftler ihr Augenmerk auf das Auftreten Chemotherapie-induzierter peripherer Neuropathien (Grad 2, Grad ≥ 3) und schwerer unerwünschter Ereignisse (Grad ≥ 3).

Metaanalyse von 24 Studien: reduziertes Oxaliplatin vs. Standard-Oxaliplatin-Therapie

Insgesamt umfasste die Metaanalyse 24 Studien (15 randomisierte Studien und 9 retrospektive Kohortenstudien) mit insgesamt 30 395 Patienten, von denen 13 348 Patienten eine Behandlung mit reduziertem Oxaliplatin erhielten, bei 17 047 Patienten erfolgte die Standard-Oxaliplatin-Therapie. Als adjuvante Therapie bei Patienten mit Darmkrebs war ROE weder mit einem schlechteren krankheitsfreien Überleben (Hazard Ratio, HR: 1,06; 95 % Konfidenzintervall, KI: 0,97 – 1,17; p = 0,15) noch mit einem schlechteren Gesamtüberleben (HR: 0,99; 95 % KI: 0,90 – 1,09; p = 0,80) assoziiert. Ebenso wurden keine Unterschiede bei der Behandlung eines metastasierten Darmkrebses bezüglich des progressionsfreien Überlebens (HR: 1,11; 95 % KI: 0,99 – 1,25; p = 0,07) und der Gesamtüberlebens (HR: 1,06; 95 % KI: 0,92 – 1,23; p = 0,33) festgestellt. Das galt auch für Patienten mit metastasierter gastroösophagealer Krebserkrankung; auch bei ihnen waren die Unterschiede im progressionsfreien Überleben (HR: 0,82; 95 % KI: 0,34 – 1,99; p = 0,44) und Gesamtüberleben (HR: 0,90; 95 % KI: 0,67 – 1,21; p = 0,26) zwischen den Behandlungsgruppen statistisch nicht signifikant. Bezüglich der Nebenwirkungen war ROE mit einem geringeren Risiko für Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie – sowohl Grad 2 (Odds Ratio, OR: 0,46; 95 % KI: 0,25 – 0,84) als auch Grad ≥ 3 (OR: 0,34; 95 % KI: 0,21 – 0,57) – und für schwere unerwünschte Ereignisse von Grad ≥ 3 (OR: 0,67; 95 % KI: 0,48 – 0,92) assoziiert.

Keine wesentlichen Unterschiede hinsichtlich der Prognose

Im Vergleich zur Oxaliplatin-basierten Standardtherapie waren demnach Behandlungen mit reduzierter Oxaliplatin-Exposition bei Patienten mit metastasiertem Darmkrebs, metastasierter gastroösophagealer Krebserkrankung oder mit Darmkrebs unter adjuvanter Therapie nicht mit einem schlechterer Gesamtüberleben sowie progressionsfreien bzw. krankheitsfreien Überleben assoziiert. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse und Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathien traten bei Oxaliplatin-reduzierter Behandlung hingegen seltener auf.

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