Vielversprechender Einfluss der Endometriosetherapie auf das Darmmikrobiom

Original Titel:
Gut Microbiota Changes After Hormonal or Surgical Treatment for Endometriosis

Kurz & fundiert

  • Beeinflusst die Endometriosetherapie das Darmmikrobiom?
  • Prospektive Beobachtungsstudie: 27 Endometriose-Patientinnen vs. 17 Kontrollen
  • Hinweise auf Potenzial für Darmbarrierefunktion und psychische Stabilität
  • Exploratorische Analyse: Effekte auf Psyche und Entzündungsprozesse möglich
  • Therapie der Endometriose beeinflusst das Darmmikrobiom

 

MedWiss Eine prospektive Beobachtungsstudie mit 27 Endometriose-Patientinnen und 17 Kontrollen fand, dass eine hormonelle Endometriosetherapie mittels Änderungen des Darmmikrobioms die psychische Gesundheit unterstützen könnte. Einflüsse operativer Behandlungen auf das Darmmikrobiom könnten hingegen Entzündungsprozesse positiv beeinflussen. Die exploratorischen Ergebnisse sollten nun durch größere Studien bestätigt werden.


Frühere Studien deuteten auf einen Zusammenhang zwischen dem Darmmikrobiom und Endometriose. Welchen Einfluss die Behandlung der Endometriose auf das Darmmikrobiom ausüben kann, ist jedoch unklar.

Beeinflusst die Endometriosetherapie das Darmmikrobiom?

Wissenschaftler führten nun eine prospektive Beobachtungsstudie mit Frauen mit Endometriose und gesunden Kontrollpersonen durch. Bei Endometriose-Patientinnen analysierten die Autoren das Darmmikrobiom-Profil mit Hilfe einer Genanalyse (Stuhlproben) vor und nach der Endometriosetherapie. Die Behandlung konnte entweder hormonell oder operativ erfolgen.

Die Analyse betrachtete die Alpha- und Beta-Diversität des Mikrobioms. Alpha-Diversität umfasst die Vielfalt über verschieden Spezies innerhalb einer Probe. Dies beinhaltet die Zahl der Mikroorganismen und ihre Verteilung sowie phylogenetische Zusammenhänge zwischen ihnen, beispielsweise zur Einschätzung einer dominanten Spezies. Mit Beta-Diversität betrachtet hingegen die Ähnlichkeit zwischen Proben mit Blick auf die Häufigkeit bestimmter Spezies und das Vorhandensein oder die Abwesenheit von Spezies im Vergleich zweier Gruppen.

Die Studie umfasste 27 Patientinnen mit Endometriose im Stadium III/IV sowie 17 gesunde Kontrollen. Insgesamt analysierten die Autoren 56 Stuhlproben.

Prospektive Beobachtungsstudie: 27 Endometriose-Patientinnen vs. 17 Kontrollen

Die Analyse fand keinen Unterschied in Alpha- oder Beta-Diversität zwischen Endometriose- und Kontrollgruppe. Frauen mit Endometriose hatten jedoch mehr Acidaminococcus, Lachnoclostridium und Paraprevotella sowie weniger Odoribacter (alle p < 0,05). In der Gruppe der 8 Frauen mit hormoneller Therapie wurden keine signifikanten Veränderungen in der Diversität (Alpha und Beta) zwischen Proben vor und nach der Behandlung festgestellt. Die Analyse innerhalb derselben Personen fand eine Zunahme an Blautia nach der Therapie. Diese Spezies gilt als assoziiert mit der Stabilität der psychischen Gesundheit. Die Therapie ging zudem individuell mit einer Abnahme von Sutterella einher. Diese Spezies ist nach bisherigen Studienergebnissen in die Regulierung der Darmbarrierefunktion involviert.

In einer exploratorischen Analyse von Patienten ohne Wiederauftreten der Endometrioseläsion nach der Operation (n = 4) fanden die Autoren eine signifikant gesteigerte Alpha-Diversität (p = 0,035). Der postoperative Anstieg betrug 10 verschiedene Genera, darunter 6, die mit Inflammation beziehungsweise antiinflammatorischen Effekten (speziell Flavonifractor, Eubacterium brachy, Hungatella, Incertae Sedis und Fournierella) in Zusammenhang stehen.

Therapie der Endometriose beeinflusst das Darmmikrobiom

Die Autoren schließen, dass die hormonelle Therapie der Endometriose nicht nur Läsionen reduzieren, sondern auch mittels Änderungen des Darmmikrobioms die psychische Gesundheit unterstützen könnte. Operative Behandlungen hingegen könnten einen Einfluss auf die Zusammensetzung des Darmmikrobioms speziell mit Effekt auf Entzündungsprozesse haben. Allerdings betonen die Autoren, dass diese Ergebnisse auf einer kleinen Patientengruppe basieren und daher mit Vorsicht interpretiert werden sollten, bevor sie durch größere Studien bestätigt werden.

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