Bessere Denkleistung mit Migräneprophylaxe auch zwischen Attacken

Kurz & fundiert

  • Hilft Migräneprophylaxe auch der Denkleistung?
  • Prospektive, vergleichende Längsschnittstudie mit 90 Patienten
  • Bessere Denkleistung mit Migränebehandlung zwischen den Attacken

 

MedWiss Eine prospektive, vergleichende Längsschnittstudie fand bei 90 Teilnehmern mit Migräne bereits nach wenigen Monaten mit einer Migräneprophylaxe eine bessere Denkleistung, speziell in der exekutiven Funktion. Sowohl Migräneprophylaxen mit CGRP-gerichteten Biologika als auch mit Botulinumtoxin waren demnach, besonders bei Ansprechen auf die Behandlung mit Blick auf eine Reduktion der Kopfschmerztage, wirksam zur Verbesserung der kognitiven Funktion.


Die kognitive Leistung verschlechtert sich im Laufe einer Migräneattacke. Auch in den Phasen zwischen Attacken (interiktal) kann die Denkleistung von Menschen mit Migräne leiden, speziell bei chronischer Migräne. Wissenschaftler untersuchten nun, ob sich eine Prophylaxebehandlung mit entweder gegen CGRP-gerichteten Biologika oder Botulinumtoxin interiktal positiv auf die kognitive Leistung bei Menschen mit Migräne auswirkt.

Hilft Migräneprophylaxe auch der Denkleistung?

Die prospektive, vergleichende Längsschnittstudie lud in zwei Behandlungszentren Patienten mit episodischer oder chronischer Migräne in Behandlung mit entweder Biologika oder Botulinumtoxin zur Teilnahme ein. Teilnehmer wurden mit umfassenden Denkleistungstests untersucht, in denen Aufmerksamkeit, Verarbeitungsgeschwindigkeit, exekutive Funktion, episodisches Gedächtnis und Sprache geprüft wurden. Die Tests fanden zu Beginn der Studie sowie nach 3 bis 6 Monaten erneut statt. Primär ermittelte die Studie, wie stark sich Verbesserungen in jedem untersuchten Bereich der kognitiven Leistung zeigten. Ein Ansprechen auf die Behandlung erfasste die Studie anhand einer Abnahme monatlicher mittelschwerer oder schwerer Kopfschmerztage um mindestens 30 % bei chronischer Migräne und um mindestens 50 % bei episodischer Migräne.

Prospektive, vergleichende Längsschnittstudie mit 90 Patienten

Insgesamt schlossen 90 Patienten (96,7 % Frauen) im durchschnittlichen Alter von 42 Jahren die Studie ab. Mehr als die Hälfte der Patienten (64,4 %; n = 58) litten an chronischer Migräne. Fast dreiviertel der Teilnehmer (71,1 %; n = 64) erhielten einer Prophylaxe mit Biologika, jeder 3. Patient wurden mit Botulinumtoxin behandelt (28,8 %; n = 26). Die Hälfte der Patienten (52,2 %; n = 47) sprach auf die Behandlung an, 59,4 % mit Biologika und 34,6 % mit Botulinumtoxin, nach einer durchschnittlichen Nachbeobachtung über 4,5 Monate. Die Verbesserung der exekutiven Funktion, ermittelt anhand des Arbeitsgedächtnisses, Aufmerksamkeitswechseln und der phonologischen Wortflüssigkeit, war bei Patienten, die auf die Behandlung ansprachen, signifikant größer als bei Patienten, deren Migränesymptome nicht vergleichbar mit der Behandlung abnahmen. Die Studie fand hingegen keine signifikanten Unterschiede zwischen Patienten mit unterschiedlicher Therapiewirksamkeit im episodischen Gedächtnis, Sprache oder der Verarbeitungsgeschwindigkeit. Bei Patienten, die auf die Behandlung ansprachen, war die Veränderung in der exekutiven Funktion nicht mit der Reduktion der monatlichen Zahl von mittelschweren oder schweren Kopfschmerztagen oder der abschließenden Zahl der monatlichen kopfschmerzfreien Tage assoziiert.

Bessere Denkleistung mit Migränebehandlung zwischen den Attacken

Die Teilnehmer wiesen demnach nach wenigen Monaten mit einer Migränebehandlung eine bessere Leistung in ihren exekutiven Funktionen auf. Sowohl Migräneprophylaxen mit CGRP-gerichteten Biologika als auch mit Botulinumtoxin waren demnach wirksam zur Verbesserung der kognitiven Funktion. Weitere Studien sollen prüfen, ob sich diese Effekte mit der Zeit weiter verstärken und ob es messbare Einflüsse auch auf präiktale und postiktale Tage gibt, also jeweils vor und nach einer Attacke.