Digital unterstützte Betreuung von Frauen mit metastasiertem Brustkrebs
Original Titel:
Electronic Patient-Reported Outcome Monitoring With Alert-Based Interventions in Metastatic Breast Cancer: A Randomized Clinical Trial.
- Kann digitale Betreuung bei Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs Fatigue und Erschöpfung reduzieren?
- Multizentrische, randomisierte klinische Studie an 52 deutschen Brustkrebszentren
- Wöchentlich Fragen über App und gegebenenfalls Kontakt zum Behandlungsteam
- Nach 6 Monaten relevante Reduzierung von Fatigue
- Zusätzlich verbesserte körperliche Leistungsfähigkeit
MedWiss – Das Projekt PRO B (Patient-Reported Outcomes bei Brustkrebs) beinhaltet eine App zur digitalen Begleitung von Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs. Eine klinische Studie, an der 52 deutsche Brustkrebszentren teilnahmen, untersuchte Effekte der App-basierten Betreuung. Bei den Teilnehmerinnen konnten mit Nutzung der App und Kontakt zum Behandlungsteam eine Reduktion von Fatigue sowie eine Verbesserung ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit nachgewiesen werden.
Für Frauen mit metastasiertem Brustkrebs stehen moderne Behandlungsmöglichkeiten zu Verfügung, die häufig ambulant durchgeführt werden. Wenn im Therapieverlauf Krankheitssymptome und unerwünschte Wirkungen auftreten, die nicht aktiv thematisiert werden, kann die Lebensqualität der Patientinnen sinken. Um eine engmaschige Betreuung zu erleichtern, wurde daher das Behandlungskonzept PRO B entwickelt.
Projekt PRO B: Digitale Begleitung von Patientinnen mit Brustkrebs – Effekt auf Fatigue?
Innerhalb des Projekts PRO B (Patient Reported Outcomes bei Brustkrebs) nutzten die Patientinnen eine App, in der sie einmal pro Woche Fragen zu ihren Symptomen, ihrem Alltag und ihrer emotionalen Verfassung beantworteten. Ein Algorithmus wertete die Antworten aus und übermittelte deutliche Veränderungen an das Behandlungsteam, das die Patientin anschließend kontaktierte. Im persönlichen Gespräch wurde geklärt, welche Maßnahmen gegebenenfalls zu ergreifen waren.
In einer randomisierten klinischen Studie begleiteten Wissenschaftler der Charité der Universitätsmedizin Berlin und der Deutschen Krebsgesellschaft Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs in 52 Brustkrebszentren über ein Jahr. Etwa die Hälfte der Patientinnen nutzte neben der medikamentösen Therapie die App zur Einschätzung von Wohlbefinden und Belastung und wurde bei Bedarf dazu kontaktiert (Pro-B-Gruppe). Die andere Hälfte der Patientinnen wurde alle 3 Monate befragt, aber nicht vom Behandlungsteam kontaktiert (Kontrolle).
Randomisierte, kontrollierte klinischen Studie: Digital unterstützte Betreuung mit 909 Teilnehmerinnen
Insgesamt nahmen 909 Patientinnen an der Studie teil. Die Frauen in der PRO-B-Gruppe litten nach 6 Monaten weniger unter Fatigue als die Kontrollgruppe (mittlerer T-Wert: 54,5; 95 % Konfidenzintervall, KI: 53,7 – 55,4 vs. Kontrolle: T-Wert: 59,9; 95 % KI: 59,0 – 60,8; p < 0,001). Auch ihre körperliche Leistungsfähigkeit bewerteten die Patientinnen, die an dem PRO-B-Projekt teilnahmen, höher als die der Kontrollgruppe (Mittelwertdifferenz, MD: 4,0; 95 % KI: 2,6 – 5,4; minimale klinisch relevante Differenz: 3,2).
Weniger Fatigue mit digital unterstützter Betreuung
Die digital unterstützte Betreuung konnte demnach innerhalb von 6 Monaten Fatigue bei Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs signifikant reduzieren und die körperliche Leistungsfähigkeit steigern. Aufgrund dieser Studienergebnisse und einer wirtschaftlichen Analyse hat der Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) das PRO-B-Konzept mit der ida-App zur Überführung in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenkassen empfohlen.
© Alle Rechte: MedWiss.online