Systematischer Review mit Metaanalyse: Antidepressiva SSRI und sexuelle Probleme

Original Titel:
Sexual dysfunction associated with selective serotonin reuptake inhibitors in adults with depression: a systematic review and meta-analysis

Kurz & fundiert

  • Antidepressiva: Wirkstoffklasse SSRI häufig eingesetzt
  • Welche sexuellen Störungen können vorkommen?
  • Systematischer Review mit Metaanalyse über 6 Studien; qualitativer Review über 13 Studien
  • Besonders Orgasmus und sexuelle Zufriedenheit können leiden
  • Allgemeine sexuelle Funktion nicht signifikant beeinträchtigt

 

MedWiss – Die antidepressive Behandlung mit der Wirkstoffklasse SSRI ist, so das Ergebnis eines systematischen Reviews mit Metaanalyse, mit häufigeren Problemen mit dem Orgasmus und reduzierter sexueller Zufriedenheit assoziiert. Solche Symptome sollten demnach im Rahmen der Behandlung besprochen und behandelt werden, um die Lebensqualität Betroffener zu verbessern.


Eine Depression erfordert eine Behandlung. Eine zentrale Säule der Therapie ist die Psychotherapie. Eine medikamentöse Behandlung stellt häufig einen wichtigen frühen Schritt dar, der den Einstieg in die Psychotherapie unterstützt. Eine häufig genutzte Wirkstoffklasse sind SSRI, die in dysregulierte Botenstoffe im Gehirn eingreifen, die zu einer Depression beitragen. Die Behandlung kann auch Nebenwirkungen haben. Sexuelle Störungen wurden berichtet, welche konkreten Probleme jedoch auftreten können, untersuchte nun eine Übersichtsanalyse der bisherigen Forschung.

Nebenwirkungen der Antidepressiva-Wirkstoffklasse SSRI: Welche sexuellen Störungen können vorkommen?

Wissenschaftler untersuchten nun in einem systematischen Review mit Metaanalyse, wie sich die Behandlung mit SSRI auf die sexuelle Funktion bei Erwachsenen mit Depression im Vergleich zu einem Placebo auswirkt.
Die systematische Recherche ermittelte randomisiert-kontrollierte Studien in den medizin-wissenschaftlichen Datenbanken PubMed, LILACS, Embase und Cochrane Library mit Veröffentlichung bis Juni 2025.

Systematischer Review mit Metaanalyse über 6 Studien

Die qualitative Analyse umfasste 13 randomisiert-kontrollierte Studien, von denen 6 Studien in der Metaanalyse betrachtet wurden. SSRI waren signifikant mit einem erhöhten Risiko für Orgasmusstörungen assoziiert (Risk Ratio, RR: 3,28; 95 % Konfidenzintervall, KI: 2,33 – 4,60; p < 0,00001; I² = 8 %) sowie mit reduzierter sexueller Zufriedenheit (RR: 1,21; 95 % KI: 1,11 – 1,32; p = 0,0001; I² = 0 %). Ein Trend (nicht statistisch signifikant) für reduziertes sexuelles Verlangen wurde ebenfalls beobachtet (RR: 1,40; 95 % KI: 0,92 – 2,12; p = 0,12; I² = 54 %). Im CSFQ-Fragebogen zur allgemeinen sexuellen Funktion wurden hingegen keine signifikanten Unterschiede zum Placebo gesehen. Die Studien boten insgesamt, so das Ergebnis, eine hohe bis mittlere Sicherheit der Evidenz.

Besonders Orgasmus und sexuelle Zufriedenheit können leiden

Die antidepressive Behandlung mit SSRI ist demnach konsistent mit sexuellen Störungen assoziiert, besonders mit Problemen mit dem Orgasmus und reduzierter sexueller Zufriedenheit. Solche Symptome sollten demnach im Rahmen der Behandlung besprochen und behandelt werden, um die Lebensqualität Betroffener zu verbessern.

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