Chemotherapiebedingter Haarausfall: Was kann helfen?

Kurz & fundiert

  • Wie wirksam sind verschiedene Methoden zur Prävention von chemotherapiebedingtem Haarausfall im Vergleich?
  • Systematischer Review mit Netzwerk-Metaanalyse von 12 Studien
  • Vergleich von neun Interventionen: kurze Kopfhautkühlung, traditionelle Kopfhautkühlung, verlängerte Kopfhautkühlung, Kompression der Kopfhaut, vier pharmakologische Interventionen sowie Standardbehandlung
  • Verlängerte Kopfhautkühlung (> 90 Minuten) vermutlich am wirksamsten
  • Niedrige bis sehr niedrige Sicherheit der Evidenz

 

MedWiss – Laut einer Netzwerk-Metaanalyse, die neun Interventionen zur Prävention von chemotherapiebedingtem Haarausfall verglich, schnitt die verlängerte Kopfhautkühlung am besten ab. Die Sicherheit der Evidenz wurde jedoch als niedrig bis sehr niedrig bewertet.


Eine Chemotherapie kann sowohl körperlich als auch psychisch sehr belastend sein. Viele Patienten leiden unter dem chemotherapiebedingten Haarausfall, weshalb vorbeugende Maßnahmen von großer Bedeutung sind. Es gibt verschiedene Maßnahmen, die den Haarerhalt während einer Chemotherapie fördern sollen. Wissenschaftler aus Thailand verglichen in einer Netzwerk-Metaanalyse die Wirksamkeit verschiedener Interventionen miteinander und erstellten eine Rangfolge.

Chemotherapiebedingter Haarausfall: Vergleich von Interventionen

Für ihren systematischen Review mit Netzwerk-Metaanalyse durchsuchten die Wissenschaftler verschiedene Datenbanken nach randomisierten kontrollierten Studien, die Interventionen zur Vorbeugung von chemotherapiebedingtem Haarausfall untersuchten und bis März 2025 veröffentlicht wurden. Die Wissenschaftler ordneten die Wirksamkeit der verschiedenen Interventionen mit Hilfe der SUCRA-Analyse (Surface Under the Cumulative Ranking) zueinander ein und bewerteten die Sicherheit der Evidenz.

Vergleich von 9 Interventionen in Netzwerk-Metaanalyse

Die Wissenschaftler fanden 12 Studien mit den Daten von insgesamt 736 Krebspatienten, die ihre Kriterien erfüllten und in die Netzwerk-Metaanalyse eingeschlossen wurden. Die Studien untersuchten insgesamt 9 Interventionen: Kopfhautkühlung nach der Chemotherapiesitzung für 0 – 45 Minuten (kurz), für 46 – 90 Minuten (traditionell) und für mehr als 90 Minuten (verlängert), Kompression der Kopfhaut, vier pharmakologische Interventionen sowie Standardbehandlung. Laut Netzwerk-Metaanalyse verbesserte die verlängerte Kopfhautkühlung im Vergleich zur Standardbehandlung (Risk Ratio, RR: 24,66; 95 % Konfidenzintervall, KI: 7,07 – 86,05; niedrige Sicherheit der Evidenz), zur traditionellen Kopfhautkühlung (RR: 2,13; 95 % KI: 1,15 – 3,93; sehr niedrige Sicherheit der Evidenz) und zu den pharmakologischen Wirkstoffen (je nach Wirkstoff RR von 14,06 bis 23,83; niedrige Sicherheit der Evidenz) den Haarerhalt. Die Unterschiede zwischen der verlängerten und der kurzen Kopfhautkühlung waren statistisch nicht signifikant (RR: 2,06; 95 % KI: 0,78 – 5,39). Auf Basis der SUCRA-Werte wurde die verlängerte Kopfhautkühlung (97,0 %) als wirksamste Intervention bewertet, gefolgt von der kurzen Kopfhautkühlung (78,6 %) und der traditionellen Kopfhautkühlung (76,8 %). Bei den meisten Studien wurde jedoch ein hohes Verzerrungsrisiko festgestellt und die Sicherheit der Evidenz als niedrig bis sehr niedrig eingestuft.

Verlängerte Kopfhautkühlung vermutlich am wirksamsten

Der Vergleich fand somit, dass die Kühlung der Kopfhaut nach Chemotherapie chemotherapiebedingten Haarausfall reduzieren konnte. Dabei schien eine verlängerte Kopfhautkühlung von mehr als 90 Minuten am wirksamsten zu sein. Die Sicherheit der Evidenz wurde allerdings als niedrig bis sehr niedrig bewertet, so dass weitere Forschung nötig ist, um diese Ergebnisse zu bestätigen.