Demenz / Alzheimer

Augmentation der Demenztherapie: die Wirkung von Memantin kann mit ergänzender TCM-Behandlung verstärkt werden

Original Titel:
Combined application of tenuigenin and beta-asarone improved the efficacy of memantine in treating moderate-to-severe Alzheimer's disease

Eine Kombinationstherapie des klassischen Alzheimermedikaments Memantin mit Substanzen aus der traditionellen chinesischen Medizin, Beta-Asaron und Tenuigenin, könnte die Wirkung von Memantin verstärken. Die Studie konzentrierte sich auf Patienten mit mäßig bis schwerer Alzheimerdemenz und behandelte diese nur für 3 Monate. Längerfristige Studien, auch in früheren Stadien der Erkrankung und mit größeren Patientengruppen wären nun wünschenswert, um Nutzen und Anwendbarkeit dieses Ansatzes, aber auch eventuell später auftretende Nebenwirkungen, weiter zu ermitteln.


Die Alzheimerdemenz kann mit einigen Medikamenten wirksam verzögert werden. Während die eine Seite der Forschung fieberhaft an möglichen Heilungschancen arbeiten, liegt der Fokus auf anderer Seite auf diesem Hinauszögern und Abmildern der Symptome. Wie könnte die Wirkung von Mitteln wie Memantin verstärkt werden? Von anderen Krankheiten sind sogenannte Augmentationen bekannt: ein Medikament wirkt, soll aber durch ein weiteres Mittel noch besser funktionieren. Diese Strategie wird auch bei der Alzheimererkrankung mehr und mehr erprobt. Chinesische Neurologen in Henan untersuchten nun, ob eine Augmentation der Alzheimertherapie mit Memantin mit den beiden Substanzen Beta-Asaron und Tenuigin die Wirksamkeit der Behandlung bei moderat bis schwer an Alzheimerdemenz erkrankten Menschen verbessern kann.

Beta-Asaron ist eine von mehreren verwandten pflanzlichen Substanzen aus der Kalmuspflanze. Diese spielen einerseits in der traditionellen Medizin verschiedener Kulturen eine Rolle. Ein neuerer Übersichtsartikel (Chellian und Kollegen, 2017 im Fachjournal Phytomedicine erschienen) berichtet, dass die Substanzen weitreichende Wirkungen über viele Wirkorte im Körper haben können: unter anderem gegen Depressionen, Epilepsie, Parkinson sowie die Alzheimererkrankung. Andererseits sind Asarone aber auch klar giftig. Verschiedene Studien fanden dadurch ausgelöst Lebertumoren sowie Schädigungen von Erbgut und Nachwuchs. Der natürliche Gehalt von Getränken oder Nahrungsmitteln ist bei uns (EU-weit) daher gesetzlich eingeschränkt (0,1 mg/kg in Lebensmitteln), gezieltes Zusetzen der Substanz ist verboten. Wie viele wirksame Medikamente ist Beta-Asaron also nicht geeignet für spontane private Experimente – könnte aber durchaus wirksam sein.

Giftige Asarone aus der Kalmuspflanze, Tenuigenin aus Kreuzblumenwurzel 

Tenuigenin ist ebenfalls ein aus Pflanzen, der Kreuzblumenwurzel (Polygala tenuifolia), extrahiertes Mittel. In der traditionellen chinesischen Medizin wird es unter anderem bei Schlaflosigkeit oder Störungen der Denkleistung eingesetzt. Derzeit wird es vor allem auf seine antientzündliche Wirkung hin, unter anderem zur Behandlung der Parkinsonerkrankung erforscht (Fan und Kollegen, 2017 in der medizinwissenschaftlichen Zeitschrift Journal of Neuroinflammation erschienen).

An dieser Studie nun nahmen 152 Patienten mit mäßig bis schwerer Alzheimerdemenz teil. Die Patienten wurden alle mit Memantin (5–20 mg/Tag) behandelt. Zusätzlich wurden sie einer von zwei Gruppen zugeteilt, die über 3 Monate unterschiedliche Zusatzbehandlungen erhielten: eine Gruppe erhielt mit dem Memantin auch Beta-Asaron (10 mg/Tag) und Tenuigenin (10 mg/Tag), die andere Gruppe erhielt ausschließlich das Memantin. Die Denkleistung der Teilnehmer wurde zu Beginn und im Anschluss an die Behandlungsphase mit verschiedenen Tests überprüft: dem MMST (Mini-Mentalstatus-Test), der klinischen Demenzbewertungsskala (CDR, clinical dementia rating scale) und der Bewertung der Fähigkeiten beim Durchführen von Alltagsaktivitäten (ADL, activities of daily living).

Kombination von traditioneller chinesischer Medizin und Memantin

Nach 3 Monaten der Behandlung mit Memantin hatten sich die durchschnittlichen Werte aller Denkleistungsbewertungen in beiden Gruppen messbar verbessert. Allerdings zeigte sich ein Vorteil der Zusatzbehandlung: die mit Beta-Asaron und Tenuigenin behandelten Teilnehmer zeigten bessere allgemeine Denkleistungen (höhere MMST-Werte), hatten im Vergleich zur Kontrollgruppe verbesserte Alltagsfähigkeiten (niedrigere ADL-Werte) und wurden auch klinisch positiver beurteilt (niedrigerer CDR-Wert). Unerwünschte Effekte traten in beiden Gruppen gleich häufig auf – in der getesteten Dosierung zeigten sich also keine Nebenwirkungen der Zusatzbehandlungen in der recht kurzen Studie. Die Forscher analysierten schließlich, welche Patienten besonders gut auf die Augmentationstherapie mit den traditionell bekannten Substanzen ansprachen. Dabei fanden sie, dass besonders männliche Patienten im Alter von 60 bis 74 Jahren mit noch moderatem Schweregrad der Erkrankung von der Zusatzbehandlung profitieren könnten.

Besonders Männer mit moderater Demenz könnten profitieren

Die Studie demonstriert damit, dass eine Kombinationstherapie des klassischen Alzheimermedikaments Memantin mit Substanzen aus der traditionellen chinesischen Medizin, Beta-Asaron und Tenuigenin, die Wirkung von Memantin verstärken könnte. Die Studie konzentrierte sich auf Patienten mit mäßig bis schwerer Alzheimerdemenz und behandelte diese nur für 3 Monate. Längerfristige Studien, auch in früheren Stadien der Erkrankung und mit größeren Patientengruppen wären nun wünschenswert, um Nutzen und Anwendbarkeit dieses Ansatzes, aber auch eventuell später auftretende Nebenwirkungen, weiter zu ermitteln.

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