Interprofessionelles Versorgungskonzept verspricht mehr Sicherheit für Patienten in der Arzneimitteltherapie

Der Krankenkassendienstleister GWQ ServicePlus AG, der Hausärzteverband Nordrhein e.V. und die Viandar GmbH bieten in der Region Nordrhein seit Anfang April ein gemeinsames interprofessionelles digitales Medikationsmanagement zur Vermeidung arzneimittelbezogener Probleme an. Nun startet die Versorgung.

Um zu verhindern, dass gerade ältere Menschen unbedarft Medikamente selbst einsetzen und sich damit gefährden, wird eine neue Software genutzt, die die Hausärzte und Apotheker dabei unterstützt, frühzeitig gefährliche problematische Arzneimittelkombinationen zu erkennen. Ziel ist es, arzneimittelbezogene Probleme deutlich zu reduzieren.

Schätzungsweise 16.000 bis 58.000 arzneimittelbedingte Todesfälle jährlich

Im Rahmen der Selbstmedikation nehmen viele Patienten frei verkäufliche Präparate wie Schmerz- oder Nahrungsergänzungsmittel ein. Aufgrund von Wechselwirkungen mit dem vom Arzt verordneten Medikamentenplan kann dies verheerende Folgen haben. Wer über 75 Jahre alt ist, nimmt täglich durchschnittlich meist mehr als acht Substanzen ein. Für Ärzte, Kliniken und Apotheker wird es somit immer schwieriger, bei der Arzneimitteltherapie den Überblick zu behalten und die Patientensicherheit zu gewährleisten. Schätzungsweise 16.000 bis 58.000 arzneimittelbedingte Todesfälle gibt es jährlich in Deutschland.[1]

Bisher fehlte ein Instrumentarium, mit dem alle am Medikationsprozess beteiligten Akteure auf einen Blick sehen können, welche Präparate ein Patient einnimmt. Diese Risiken können reduziert werden, indem die Gesamtmedikation des Versicherten konsequent erfasst, pharmazeutisch analysiert und in einen zentralen Medikationsplan überführt wird.

Interessierte Leistungserbringer können noch beitreten

Nun haben die Vertragspartner ein vielversprechendes Pilotprojekt realisiert: Seit April konnten sich Hausärzte und Apotheken aus Nordrhein für ein digitales interprofessionelles Medikationsmanagement registrieren. Zum 01.07.2021 beginnt die Versorgung der Patienten. Interessierte Leistungserbringer können weiterhin beitreten. Durch den Einsatz der Software können sich alle beteiligten Akteure schnell und übersichtlich einen Überblick verschaffen, was passiert, wenn ein Arzneimittel zur bestehenden Verordnung eingenommen wird. Auch der Status der aktuellen Bestandsmedikation ist sichtbar. Die Grundlage liefert der „Medinspector®“, entwickelt von der Viandar GmbH, die es sich zum Ziel gemacht hat, ein standardisiertes, interprofessionelles Medikationsmanagement zu ermöglichen.

Ambulantes pharmazeutisches Konsil

Denn zum Klinikalltag gehört es seit langem selbstverständlich dazu – das pharmazeutische Konsil! Arzt und Apotheker stimmen sich zur Medikation ihres gemeinsamen Patienten ab. Genau diese Möglichkeit bietet der Medinspector® nun auch für den Praxisalltag. Arzt und Apotheker können sich über die Software unkompliziert, schnell und datenschutzkonform zur Medikation austauschen. Ärzte haben die Arzneimitteltherapiesicherheit ihrer Patienten damit stets direkt im Blick. Pharmazeutische Optimierungsvorschläge des Apothekers werden über den Medinspector® digital übermittelt und können nach Prüfung durch den Arzt übernommen werden. Dies vereinfacht die Kommunikation zwischen den Gesundheitsberufen, erhöht die Arzneimitteltherapiesicherheit und bindet den Patienten aktiv in den gesamten Prozess ein.

Teilnahmeberechtigte Versicherte müssen regelhaft mindestens fünf verschreibungspflichtige Medikamente einnehmen und an der hausarztzentrierten Versorgung (HzV) teilnehmen.

Bisher haben sich bereits 15 Betriebskrankenkassen mit einem Volumen von ca. 475.000 Versicherten in Nordrhein zur Teilnahme an dem Projekt entschieden. Folgende Krankenkassen unterstützen das digitale interprofessionell Medikationsmanagement bereits:

Daimler BKK
R+V Betriebskrankenkasse
Novitas BKK
BKK Melitta Plus
Heimat Krankenkasse
BKK B. Braun Aesculap
vivida bkk
BKK Linde
energie-BKK
SBK
Audi BKK
Salus BKK
VIACTIV
BKK Diakonie
Mobil Krankenkasse

Nähere Informationen zu den teilnehmenden Hausärzten und Apotheken finden Sie hier: https://richtercareconsulting.de/#dim. Ebenso finden interessierte Hausärzte, die an dem Projekt teilnehmen möchten, hier weiterführende Informationen.

Einladung zur Online-Präsentation des Medinspectors®

Interessierte Hausärzte aus der Region Nordrhein sind herzlich eingeladen, bei einer Online-Präsentation des Medinspectors® dabei zu sein. Hier erhalten Sie anhand eines Patientenfallbeispiels einen praktischen Einblick in die Medikationsanalyse und das Medikationsmanagement mit der Software. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, Ihre Fragen zum Medinspector®, zum Selektivvertrag und rund um das Thema Arzneimitteltherapiesicherheit zu stellen.

Termin: 22.09.2021, 16.00 Uhr – 17.30 Uhr

Sie möchten teilnehmen? Dann melden Sie sich einfach direkt bei der Viandar GmbH per E-Mail unter kundenservice@viandar.de oder telefonisch unter (0 40) 71 62 44 97 an.

Auch über die Website www.medinspector.de unter der Rubrik „Aktuelles/Termine“ ist eine Anmeldung möglich.

Mit freundlicher Unterstützung der

[1] Shoshi, Alban, Analyse von unerwünschten Arzneimittelwirkungen basierend auf einer pharmakologischen und molekularbiologischen Informationsfusion, 2016, S. 4, abrufbar unter: https://pub.uni-bielefeld.de/download/2904877/2904878/Dissertation_AShoshi.pdf.