Jährliche Mammographie im Rahmen der Brustkrebs-Nachsorge – geht es auch seltener?
Original Titel:
Annual versus less frequent mammographic surveillance in people with breast cancer aged 50 years and older in the UK (Mammo-50): a multicentre, randomised, phase 3, non-inferiority trial
- Sind größere Zeitabstände zwischen den Mammographien in der Brustkrebs-Nachsorge vertretbar?
- 5 235 Brustkrebs-Patientinnen, die sich vor mindestens 3 Jahren einer kurativen Operation unterzogen hatten, erhielten im Rahmen der Nachsorge entweder jährlich oder weniger häufig eine Mammographie
- Die Analyse zeigt eine Nicht-Unterlegenheit der weniger häufigen Mammographie gegenüber der jährlichen Mammographie im Hinblick auf das brustkrebsspezifische Überleben
- Auch bezüglich des rezidivfreien Überlebens und des Gesamtüberlebens gab es keine signifikanten Unterschiede
MedWiss – Brustkrebs-Patientinnen wird im Rahmen der Nachsorge eine jährliche Mammographie empfohlen. Wissenschaftler untersuchten, ob ein größerer Zeitraum zwischen den Mammographien ebenso vertretbar ist. Sie stellten fest, dass im Hinblick auf das brustkrebsspezifische Überleben eine weniger häufige Mammographie der jährlichen Mammographie nicht unterlegen ist – bei Patientinnen, die mindestens 50 Jahre alt waren und seit mindestens drei Jahren rückfallfrei waren.
Nach einer kurativen Brustkrebs-Operation ist die Nachsorge wichtig, um eventuelle Krankheitsrückfälle frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Die deutsche S3-Leitlinie Mammakarzinom der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF), der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. (DKG) und der Deutschen Krebshilfe (DKH) empfiehlt Brustkrebs-Patientinnen im Rahmen der Nachsorge eine jährliche Mammographie. Ein internationales Forscherteam stellte sich die Frage, ob die häufige Mammographie nötig ist oder ob auch größere Untersuchungsabstände vertretbar sind.
Sind größere Zeitabstände zwischen den Mammographien in der Brustkrebs-Nachsorge vertretbar?
Die multizentrische, randomisierte Phase-3-Studie wurde an 114 Krankenhäusern im Vereinigten Königreich durchgeführt. 5 235 Brustkrebs-Patientinnen, die mindestens 50 Jahre alt waren, sich vor mindestens 3 Jahren einer kurativen Operation unterzogen hatten und seither kein Rezidiv erlitten hatten, nahmen an der Studie teil. Die Teilnehmerinnen wurden nach dem Zufallsprinzip in eine von zwei Gruppen eingeteilt. Während sich die Patientinnen der einen Gruppe 3 Jahre nach der kurativen Operation jährlich einer Mammographie unterzogen (2 618 Frauen), wurde diese bei den Patientinnen der anderen Gruppe weniger häufig (brusterhaltende Operation: alle 2 Jahre, nach Mastektomie: alle 3 Jahre) durchgeführt (2 617 Frauen). Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 5,7 Jahre (8,7 Jahre nach kurativer Operation). Die Wissenschaftler verglichen das brustkrebsspezifische Überleben, die rezidivfreie Zeit und das Gesamtüberleben der beiden Patientengruppen.
Brustkrebs-Patientinnen unterzogen im Rahmen der Nachsorge unterschiedlich häufig einer Mammographie
Während der Nachbeobachtungszeit verstarben 343 Frauen, 116 von ihnen an Brustkrebs. Von den Frauen, die an Brustkrebs verstarben, waren 61 Frauen in der Gruppe mit der jährlichen Mammographie und 55 Frauen in der Gruppe mit der weniger häufigen Mammographie. Analysen zufolge gab es keinen signifikanten Unterschied im brustkrebsspezifischen 5-Jahres-Überleben zwischen den beiden Gruppen (Hazard Ratio, HR: 0,92; 95 % Konfidenzintervall, KI: 0,64 – 1,32). Dieses lag in der Gruppe mit der jährlichen Mammographie bei 98,1 % (95 % KI: 97,5 – 98,6) und in der Gruppe mit der weniger häufigen Mammographie bei 98,3 % (95 % KI: 97,8 – 98,8). Die Wissenschaftler stellten fest, dass diesbezüglich die weniger häufige Mammographie der jährlichen Mammographie nicht unterlegen war. Des Weiteren blieben in beiden Gruppen ähnlich viele Frauen innerhalb von 5 Jahren von einem Rezidiv verschont (jährliche Mammographie: 94,1 % vs. weniger häufige Mammographie: 94,5 %). Auch beim 5-Jahres-Gesamtüberleben gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen (jährliche Mammographie: 94,7 % vs. weniger häufige Mammographie: 94,5 %). Die meisten Fälle von Brustkrebs (224 von 345, 64,9 %) wurden nicht bei Routineuntersuchungen entdeckt, sondern aufgrund von Symptomen im Rahmen von Notfalleinweisungen oder Rücküberweisungen ins Krankenhaus. Das galt sowohl für die Gruppe mit jährlicher Mammographie (108 von 175, 61,7 %) als auch für die Gruppe mit der weniger häufigen Mammographie (116 von 170, 68,2 %).
Keine Überlegenheit der jährlichen Mammographie
Brustkrebs-Patientinnen, die innerhalb von 3 Jahren nach der kurativen Operation von einem Rezidiv verschont geblieben sind, hatten somit keine Nachteile, wenn sie sich im Rahmen der Nachsorge nur alle zwei (brusterhaltende Operation) bzw. alle drei Jahre (Mastektomie) einer Mammographie unterzogen statt jährlich. Das galt im Hinblick auf das brustkrebsspezifische Überleben, das rezidivfreie Überleben und das Gesamtüberleben.
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