Umweltimpact dermatologischer Produktproben

  • 7. Januar 2026
Gastbeitrag von Dr. med. Christina Hecker
(Ärztin für Dermatologie und Allergologie; 3. Vorsitzende der AG Nachhaltigkeit in der Dermatologie (AGN) e.V.)


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Bereits veröffentlicht: 
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Eine aktuelle Studie der Arbeitsgemeinschaft Nachhaltigkeit in der Dermatologie beleuchtet die erheblichen Umweltauswirkungen von Produktproben-Verpackungen – mit alarmierenden Ergebnissen.

Die Dimensionen des Problems:

Ein Ingenieurbüro analysierte im Auftrag der AGN 43 dermatologische Produktproben verschiedener Hersteller. Die Ergebnisse zeigen: Selbst die kleinste Probe (1,24 g) verursacht 15 g CO2-Aequivalente und 700 ml Wasserverbrauch. Die größte Probe (37 g) generiert 53 g CO2 und 5,78 l Wasserverbrauch.

Hochgerechnet auf 10 Millionen Einheiten jährlich entstehen:

  • 8.000 Tonnen CO2-Äquivalente (nur durch Verpackungen)
  • 880 Millionen Liter Wasserverbrauch
  • 2.300 Tonnen Verpackungsabfall

Besonders problematisch:

  • Verpackungs-Produkt-Verhältnis: Bei kleinen Proben (2-6 ml) wiegt die Verpackung das 1,5- bis 3-fache des Inhalts. Teilweise beträgt der Verpackungsanteil bis zu 89% des Gesamtgewichts.
  • Recyclingschwierigkeiten: Nur 18% der dermatologischen Produktproben sind laut Herstellerangaben recycelbar. Verbundstoffe mit Aluminium, Sachets und zu kleine Verpackungen entziehen sich dem Recycling.
  • Überdimensionierte Umverpackungen: Display-Aufsteller aus hochwertigem Chromokarton enthalten oft nur eine Tube, obwohl drei Tuben hineinpassen würden.

Die ökonomische Perspektive:

Sampling bindet personelle Ressourcen für Sortierung, Lagerung und Entsorgung. Der Marketingeffekt ist kaum messbar – eine Nachverfolgung bis zum Endverbraucher ist nicht möglich. Die wichtigsten Marketing-KPIs (Conversion-Rate, Kosten pro Lead) lassen sich für Produktproben nicht erheben.

Rechtliche Entwicklungen:

Die EU-Taxonomie und die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) werden künftig Nachhaltigkeitsberichte verpflichtend machen. Sampling könnte das Rating von Unternehmen auf Finanzmärkten negativ beeinflussen.

Empfehlungen der Autoren:

Die Studie fordert ein Umdenken: Statt ineffizientem Sampling sollten messbare, innovative Marketingstrategien zum Einsatz kommen. Für Praxen bedeutet die Nichtannahme von Produktproben eine Einsparung von Arbeitszeit, Kosten und einen Beitrag zum Klimaziel der Klimaneutralität des Gesundheitswesens bis 2030.

Praktische Empfehlungen:

Überprüfen Sie Ihre Praxisroutinen bezüglich der Annahme und Weitergabe von Produktproben. Jede eingesparte Probe zählt – für Umwelt, Ressourcen und Arbeitseffizienz.

Quelle: Niebel D et al. Treibhausgasäquivalente und Nutzwasserverbrauch durch dermatologische Produktprobenverpackungen. Dermatologie 2024; https://doi.org/10.1007/s00105-024-05392-x