Welche Erkrankungen erhöhen das Migränerisiko?
- Einfluss bestehender Erkrankungen auf das Migränerisiko?
- Systematischer Review mit Metaanalyse von 38 Studien mit insgesamt 124 Effektgrößen zu 58 Expositionen
- Geringes Verzerrungsrisiko bei der Mehrheit der eingeschlossenen Studien
- Heterogenität der Ergebnisse war mit über 90 % hoch
- Erhöhte Risiken für das Auftreten einer Migräne bei atopischen Erkrankungen, psychischen Störungen, Schlafstörungen sowie kardiovaskulären Erkrankungen
- Genetische Prädispositionen sowie vermittelnde Faktoren wie Stress und Entzündung könnten zur erhöhten Anfälligkeit für Migräne beitragen
MedWiss – Ein systematischer Review mit Metaanalyse über 38 Studien fand, dass Menschen mit atopischen Erkrankungen, psychischen Störungen, Schlaf- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein erhöhtes Risiko dafür haben, eine Migräne zu entwickeln. Gemeinsame genetische und entzündliche Mechanismen könnten hierbei eine zentrale Rolle spielen.
Migräne ist eine belastende neurologische Erkrankung mit einer vielschichtigen Krankheitsentstehung, die noch nicht vollständig verstanden ist. Vorerkrankungen können das Risiko für die Entwicklung einer Migräne beeinflussen.
Welche Erkrankungen erhöhen das Migränerisiko?
Eine aktuelle Übersichtsarbeit und Metaanalyse zielte darauf ab, einen umfassenden Überblick über Erkrankungen zu geben, die Menschen für eine neu auftretende Migräne prädisponieren. Das Verständnis der wechselseitigen Zusammenhänge dieser Erkrankungen sollte durch die Forschungsarbeit vertieft werden. Hierzu wurde eine systematische Recherche in den Datenbanken PubMed und EMBASE durchgeführt. Es wurden Studien identifiziert, die Vorerkrankungen als Risikofaktoren für den erstmaligen Beginn einer Migräne untersuchten. Diese fassten die Autoren mit einer Einschätzung möglicher Mechanismen zusammen.
Systematischer Review mit Metaanalyse über 38 Studien
Aus insgesamt 17 330 Datensätzen wurden 38 Studien identifiziert, die 124 Effektgrößen zu 58 verschiedenen Expositionen umfassten. Die Mehrheit der Studien (n = 28; 74 %) zeigte ein geringes Verzerrungsrisiko. Die Heterogenität der Ergebnisse war mit über 90 % hoch, was hauptsächlich auf Unterschiede innerhalb einzelner Studien (über 50 %) zurückzuführen war. Es wurden signifikant erhöhte Risiken für den Beginn einer Migräne bei Menschen mit folgenden Erkrankungen festgestellt:
- Atopischen Erkrankungen und Allergien: Risk Ratio, RR = 1,53, 95 % Konfidenzintervall, KI: 1,15 – 2,03
Eine zentrale Hypothese ist die Rolle überaktiver Mastzellen, die durch Allergene und Entzündungsbotenstoffe aktiviert werden und zur Reizung des Trigeminusnervs führen. - Psychiatrische oder psychische Störungen: RR: 2,63; 95 % KI: 1,79 – 3,85
Mögliche Ursachen wären eine gemeinsame genetische Prädisposition und Stress als vermittelnder Faktor. - Schlafstörungen: RR: 1,89; 95 % KI: 1,26 – 2,85
Erklärungsansätze umfassen Störungen im Hypothalamus, Hirnstamm und Orexin-System, die sowohl Schlaf als auch Schmerz beeinflussen. - Kardiovaskuläre Erkrankungen: RR: 1,72; 95 % KI: 1,07 – 2,76
Hier wird eine gestörte Funktion der inneren Gefäßwand diskutiert.
Genetische und entzündliche Mechanismen bei der Migräneentstehung: Komplexes Forschungsfeld
Atopische, psychiatrische, Schlaf- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind demnach signifikant mit einem erhöhten Risiko für neu auftretende Migräne assoziiert. Diese Zusammenhänge lassen sich vermutlich durch gemeinsame genetische Prädispositionen sowie durch gemeinsame vermittelnde Faktoren wie Stress und Entzündung erklären. Laut der Studienautoren könnte die detaillierte Erforschung dieser Wechselwirkungen helfen, bessere Präventions- und Behandlungsstrategien für Migräne zu entwickeln. Zudem bieten diese Interaktionen Menschen mit Migräne mögliche weitere Ansatzpunkte, auf ihre Erkrankung einzuwirken, beispielsweise durch Stressreduktion oder Verbesserung der Schlafqualität.