Training gegen Depressionen: Kein signifikanter Unterschied zu Psychotherapie oder Medikamenten

Original Titel:
Exercise for depression

Kurz & fundiert

  • Hilft körperliches Training gegen depressive Symptome?
  • Wissenschaftler führten eine Metaanalyse von 69 Studien durch
  • Körperliches Training reduzierte depressive Symptome signifikant stärker vs. keine Behandlung
  • Keine signifikanten Unterschiede zwischen Psychotherapie oder pharmakologischer Therapie und körperlichem Training

 

MedWiss – Körperliches Training erreichte vergleichbare Linderung depressiver Symptome gegenüber Psychotherapie oder medikamentöser Therapie. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler in einer Metaanalyse über 69 Studien.


Depression ist eine ernstzunehmende, psychische Erkrankung, die deutschlandweit zunimmt. Die üblichen Behandlungsoptionen umfassen Antidepressiva und Psychotherapie. Doch viele Betroffenen wünschen sich alternative Ansätze, um ihre depressiven Symptome zu lindern. Wissenschaftler aus dem Vereinigten Königreich und Irland widmeten sich diesbezüglich dem körperlichen Training. Sie aktualisierten ein Review, das erstmals 2008 veröffentlicht wurde, und ergänzten es mit Daten aus neueren Studien.

Depression: Welchen Beitrag leistet körperliches Training?

Die Wissenschaftler durchsuchten verschiedene Datenbanken nach geeigneten randomisierten, kontrollierten Studien, die bis November 2023 veröffentlicht wurden und in denen körperliches Training mit keiner Behandlung, mit einer Kontrollbehandlung oder mit einer aktiven Behandlung bei Erwachsenen mit Depressionen verglichen wurden. Postnatale Depressionen wurden ausgeschlossen. Die Wissenschaftler fanden 73 Studien, die ihre Kriterien erfüllten und die Daten von 4 985 Studienteilnehmern beinhalteten. In die Metaanalyse flossen die Daten von 69 Studien ein. Die Wissenschaftler untersuchten Depressionen oder die Stimmung am Ende der Behandlung und ggf. zu einem späteren Zeitpunkt bei längerer Nachbeobachtungszeit.

Metaanalyse von 69 Studien: Training versus kein Training

57 Studien mit 2 189 Teilnehmern verglichen Training mit keiner Behandlung oder einer Kontrollintervention. Bei der zusammenfassenden Analyse stellte sich heraus, dass Training depressive Symptome signifikant reduzieren kann am Ende der Behandlung (Mittelwertdifferenz, MD: -0,67; 95 % Konfidenzintervall, KI: -0,82 –  -0,52). Bei einer längeren Nachbeobachtung, die in 9 Studien mit 405 Teilnehmern erfolgte, konnte ein ähnlicher Trend beobachtet werden, der jedoch nicht statistisch signifikant war (MD: -0,53; 95 % KI: -1,11 – 0,06).

Training versus Psychotherapie

10 Studien mit 414 Teilnehmern verglichen den Effekt von Training mit dem einer Psychotherapie auf depressive Symptome. Zwischen den beiden Interventionen konnten diesbezüglich keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden (MD am Ende der Behandlung: 0,03; 95 % KI: -0,16 – 0,23). Ein ähnliches Ergebnis zeigte sich bei der Analyse von 4 Studien (114 Teilnehmern) mit langfristiger Nachbeobachtung (MD: -0,11; 95 % KI: -0,48 – 0,26).

Training versus Medikamente

Ein Vergleich zwischen Training und pharmakologischer Behandlung wurde in 5 Studien mit 330 Teilnehmern gezogen. Auch hier konnten hinsichtlich des Effekts auf depressive Symptome am Ende der Behandlung keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden (MD: -0,11; 95 % KI: -0,33 – 0,10). Nur eine kleine Studie mit 58 Teilnehmern lieferte diesbezüglich Daten mit langfristiger Nachbeobachtung. Auch hier war der Unterschied statistisch nicht signifikant (MD: -0,40; 95 % KI: -0,80 – 0,00).

Körperliches Training kann depressive Symptome reduzieren

Training konnte somit depressive Symptome reduzieren. Der Effekt war möglicherweise ähnlich dem der Psychotherapie und der pharmakologischen Therapie. Es ist jedoch zu beachten, dass die Evidenzqualität insgesamt als niedrig bis sehr niedrig eingestuft wurde. Für Menschen, die keinen Zugang zu Therapien haben, auf diese warten müssen oder diese ablehnen, könnte Training eine mögliche Behandlungsoption zur Linderung depressiver Symptome sein.

 

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