Blutmarker spiegeln Herzschädigung bei Aortenklappenstenose wider

DZHK-Team aus Göttingen identifiziert Biomarker mit Bezug zu Fibrose, Herzfunktion und Sterblichkeit

Bei Patientinnen und Patienten mit schwerer Aortenklappenstenose spielen Umbauprozesse des Herzmuskels eine zentrale Rolle in der Krankheitsentwicklung. Ein Forschungsteam des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am Standort Göttingen zeigt nun, dass sich diese Veränderungen auch im Blut nachweisen lassen.

Die Aortenklappenstenose ist die häufigste erworbene Herzklappenerkrankung im höheren Lebensalter und betrifft mehr als zwei Prozent der über 60‑Jährigen. Mit der wachsenden Zahl kathetergestützter Aortenklappenimplantationen gewinnt eine präzise Risikoeinschätzung zunehmend an Bedeutung.

Ein zentrales Merkmal der Aortenklappenstenose ist die sogenannte Myokardfibrose – eine Vernarbung des Herzmuskels. Sie entwickelt sich im Verlauf der Erkrankung, beeinträchtigt die Pumpfunktion des Herzens und ist mit einer ungünstigen Prognose assoziiert.

Grenzen der bisherigen Diagnostik

Bislang lässt sich das Ausmaß der Myokardfibrose am zuverlässigsten durch eine Gewebeprobe aus dem Herzen bestimmen. Dieses Verfahren ist jedoch invasiv und mit entsprechenden Risiken verbunden, sodass ein Bedarf an weniger belastenden diagnostischen Ansätzen besteht.

In der vorliegenden Studie untersuchte das DZHK-Team aus Göttingen Blutproben von 169 Patientinnen und Patienten mit schwerer Aortenklappenstenose, die sich einer kathetergestützten Klappenimplantation unterzogen. Die Proben wurden vor dem Eingriff entnommen. Insgesamt analysierten die Forschenden 184 verschiedene Serumproteine und prüften deren Zusammenhang mit dem Ausmaß der Myokardfibrose, der systolischen Herzfunktion sowie der kardiovaskulären Sterblichkeit.

Klare Zusammenhänge zwischen Biomarkern, Fibrose und Herzfunktion

Die Analyse zeigte, dass mehrere Biomarker signifikant mit dem Grad der Myokardfibrose assoziiert waren. Gleichzeitig bestand ein Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Fibrose und einer reduzierten linksventrikulären Ejektionsfraktion.

Darüber hinaus waren zahlreiche Marker mit einer eingeschränkten systolischen Herzfunktion verbunden. Einige dieser Biomarker – darunter BNP, NT‑proBNP, FGF23, Wachstumshormon und der Stem Cell Factor – zeigten sowohl eine Assoziation mit der Myokardfibrose als auch mit einer verminderten Pumpfunktion. Zudem waren sie mit der kardiovaskulären Sterblichkeit verknüpft.

Die Studie identifiziert damit erstmals Serum-Biomarker, die strukturelle Veränderungen des Herzmuskels, funktionelle Einschränkungen und klinische Endpunkte bei Patientinnen und Patienten mit Aortenklappenstenose miteinander verbinden.

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass es sich um eine explorative, hypothesengenerierende Untersuchung handelt. Die Ergebnisse müssen in größeren, prospektiven Studien bestätigt werden. Langfristig könnten solche Biomarker jedoch zu einer verbesserten Risikostratifizierung und individuelleren Therapieentscheidungen beitragen.

Originalpublikation:

Gersch S, Ferreira JP, Leha A, et al. Identification of serum biomarkers linking myocardial fibrosis, systolic dysfunction and outcomes in patients with severe aortic stenosis. Cardiovasc Res. Published online March 30, 2026. doi:10.1093/cvr/cvag073