Einfluss von Passivrauchen auf entzündliche Darmerkrankungen
- Passivrauchen: Relevant für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen?
- Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von 32 Studien
- Passivrauchen in der Kindheit sowie Rauchexposition in der Schwangerschaft mit erhöhtem Risiko für Morbus Crohn assoziiert
- Colitis ulcerosa: Kein erhöhtes Erkrankungsrisiko in Zusammenhang mit Passivrauch in der Kindheit oder Rauchexposition in der Schwangerschaft
- Assoziation von Passivrauch mit Komplikationen wie Pouchitis und Backwash-Ileitis bei Colitis ulcerosa
- Passivrauch mit Einfluss auf Krankenhausaufenthalte und kolorektische Neoplasien bei Morbus Crohn
MedWiss – Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse deutet darauf hin, dass Passivrauchen in der Kindheit und während der Schwangerschaft das Risiko für Morbus Crohn erhöhen könnte. Für Colitis ulcerosa zeigte sich hingegen kein entsprechender Zusammenhang. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Aufklärung über gesundheitliche Risiken durch Passivrauchbelastung.
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) umfassen eine Gruppe chronischer Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, zu denen insbesondere Morbus Crohn und Colitis ulcerosa gehören. Das Ziel einer Studie australischer Autoren war es, den Einfluss von Passivrauchen auf die Entstehung sowie den Krankheitsverlauf von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zu analysieren.
Passivrauchen: Relevant für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen?
Der systematische Review mit Metaanalyse wurde entsprechend den PRISMA-Richtlinien der (Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses) durchgeführt. Relevante Studien wurden in mehreren Datenbanken, darunter MEDLINE, CINAHL, Embase, Scopus und die Cochrane Library von Beginn der Datenbankerfassung bis Mai 2025 ermittelt.
Systematischer Review mit Metaanalyse über 32 Studien
Insgesamt waren 32 Studien für die Analyse geeignet. Ein signifikanter Zusammenhang zwischen Passivrauchbelastung und einem erhöhten Morbus-Crohn-Risiko wurde in 8 von 20 Studien beobachtet. Für Colitis ulcerosa zeigte sich ein entsprechender Zusammenhang in 3 von 17 Studien. Die Metaanalyse ergab, dass Passivrauchen während der Kindheit mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Morbus Crohn assoziiert war (Odds Ratio, OR: 1,19; 95 % Konfidenzintervall, KI: 1,05 – 1,35). Ebenso war eine Rauchexposition während der Schwangerschaft mit einem erhöhten Risiko für Morbus Crohn verbunden (OR: 1,27; 95 % KI: 1,03 – 1,55). Für Colitis ulcerosa konnte weder für Passivrauchen in der Kindheit noch für Rauchexposition während der Schwangerschaft eine erhöhte Erkrankungswahrscheinlichkeit nachgewiesen werden.
In Sensitivitätsanalysen, die ausschließlich Studien höherer methodischer Qualität berücksichtigten, konnten die beobachteten Zusammenhänge zwischen Passivrauchen und Morbus Crohn nicht bestätigt werden.
Hinweise auf Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Morbus Crohn
Passivrauchen stand bei Colitis ulcerosa mit Krankheitskomplikationen wie Pouchitis und Backwash-Ileitis in Zusammenhang. Bei Morbus Crohn wurde eine Rauchexposition während der Schwangerschaft mit einem erhöhten Risiko für Krankenhausaufenthalte und das Auftreten kolorektaler Neoplasien assoziiert. Für die Auswirkungen des Passivrauchens auf den Bedarf an medikamentösen Therapien oder chirurgischen Eingriffen ergab sich keine eindeutige Evidenz.
Prävention und Gesundheitsaufklärung zu Passivrauch in der Familie wichtig
Die Ergebnisse geben Hinweise auf einen möglichen Einfluss von Passivrauchen auf die Entstehung und den Verlauf chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen. Insbesondere die beobachteten Zusammenhänge zwischen Passivrauchbelastung in der Kindheit sowie während der Schwangerschaft und einem erhöhten Morbus-Crohn-Risiko unterstreichen die Relevanz präventiver Maßnahmen. Die Autoren betonen deshalb die Wichtigkeit einer umfassenden Aufklärung über die gesundheitlichen Risiken des Passivrauchens.