Zusammenhang zwischen Dauer der Migräneerkrankung, Alter und Geruchsempfindlichkeit

Original Titel:
Interictal osmophobia is associated with longer migraine disease duration

Kurz & fundiert

  • Zusammenhang zwischen Migränephase bzw. -dauer und Geruchsempfindlichkeit
  • Standardisierte diagnostische Fragen
  • Geruchsempfindlichkeit bei 30,1 % der Migränepatienten
  • 38,1 % vor, 61,9 % während und 31,9 % zwischen Attacken geruchsempfindlich
  • Geruchsempfindliche Patienten im Mittel älter und länger betroffen
  • Höherer MIDAS-Wert assoziiert mit Geruchsempfindlichkeit zwischen Anfällen

 

MedWiss – Wie eine Migräneerkrankung genau entsteht, ist bisher nicht bekannt. Bekannt ist jedoch, dass bestimmte Faktoren und Umwelteinflüsse Auslöser für Migräneattacken sein können. Wie sich die Geruchsempfindlichkeit in verschiedenen Migränephasen verhält und ob ein Zusammenhang mit der Dauer der Erkrankung besteht, wurde in dieser Studie untersucht.


Bei vielen Migränepatienten fallen im Laufe der Erkrankung bestimmte Auslöser, sogenannte Trigger, auf. Ebenso sind bestimmte Symptome häufig und können sowohl vor einer Attacke als auch währenddessen auftreten. Dabei sind Licht-, Geräusch-, Geruchsempfindlichkeit und Schwindel weit verbreitet. Wie genau der Zusammenhang zwischen Geruchsempfindlichkeit und der Migränephase oder bisheriger Dauer der Migräneerkrankung aussieht, untersuchten die Autoren dieser Studie.

Geruchsempfindlichkeit bei chronischer und episodischer Migräne

Frequenz und Ausprägung der Geruchsempfindlichkeit in Abhängigkeit der Migränephase bei chronischer und episodischer Migräne wurden durch standardisierte diagnostische Fragebögen ermittelt. Alter, Geschlecht, MIDAS-Wert (engl.: Migraine Disability Assessment Score, Behinderungsgrad durch Migräne) und medizinische Migräneverlaufsgeschichte wurden dabei beachtet.

Langjährige Migränepatienten sind geruchsempfindlicher

Von 113 untersuchten Migränepatienten waren 30,1 % geruchsempfindlich. Bei diesen trat die verstärkte Empfindlichkeit zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf:

  • Bei 38,1 % vor dem Migräneanfall
  • Bei 61,9 % während des Migräneanfalls
  • Bei 31,9 % zwischen den Migräneanfällen

Die Dauer der bisherigen Migräneerkrankung war insgesamt bei geruchsempfindlichen Patienten länger als bei geruchsunempfindlichen Patienten (28,5 Jahre vs. 20 Jahre). Die Autoren sahen zudem eine deutliche Korrelation zwischen erhöhtem Alter und erhöhter Geruchsempfindlichkeit zwischen den Migräneanfällen (54,5 Jahre vs. 45 Jahre). Dabei wiesen Patienten mit höherem MIDAS-Wert, also stärkerer Beeinträchtigung im Alltag durch die Migräne, eine erhöhte Geruchsempfindlichkeit vor und zwischen den Migräneanfällen auf.

Patienten, die schon länger an Migräne litten und solche mit verstärkter Behinderung durch Migräne waren somit vermehrt von Geruchsempfindlichkeit betroffen. Die Autoren sehen dies als unterstützenden Hinweis dafür, dass es bei starker Migräne zu einer zunehmenden Empfindlichkeitssteigerung kommen kann.

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