S2k-Leitlinie „Funktionelle Bewegungsstörungen“ wurde publiziert
Schauen Sie sich hier die Leitlinie an
Aktuell wurde die S2k-Leitlinie „Funktionelle Bewegungsstörungen“ veröffentlicht. Neben der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) als Herausgeberin waren zehn weitere Fachgesellschaften und Organisationen an der Erstellung beteiligt. Die Leitlinie richtet sich an Ärztinnen und Ärzte aus den Fachbereichen Neurologie, Psychiatrie und Psychosomatik – und fasst das Wissen über funktionelle Bewegungsstörungen kompakt zusammen. Ziele der Leitlinie sind nicht nur die Wissensvermittlung und bessere Versorgung der Betroffenen, sondern auch der Abbau von Stigmata.
Funktionelle Bewegungsstörungen sind anhaltende oder wiederkehrende Beeinträchtigungen der willkürlichen motorischen Kontrolle. Es handelt sich dabei um multifaktoriell bedingte Störungen, welche sich in wechselwirkenden Mechanismen entlang verschiedener neuronaler, psychologischer und verhaltensbezogener Verarbeitungsebenen manifestieren.
Das bisher begrenzte Maß an Aus- und Fortbildung zu funktionellen Bewegungsstörungen hat zu Unsicherheiten in der Diagnosestellung und -vermittlung auf Seiten der Behandler und zu einem eingeschränkten Krankheitsverständnis und -akzeptanz auf Seiten der Betroffenen und der Gesellschaft geführt. „Ein wesentliches Ziel der Leitlinie ist daher neben der Wissensvermittlung und einer verbesserten medizinischen Versorgung der Betroffenen der Abbau von Stigmata, die mit diesen Störungen einhergehen“, erklärt Prof. Dr. Anne Weißbach, Lübeck, Koordinatorin der Leitlinie. „Denn was oft nicht verstanden wird: funktionelle Bewegungsstörungen sind Erkrankungen mit krankheitsspezifischer Pathophysiologie und Diagnosekriterien. Die Erkrankung soll daher nicht durch den Ausschluss anderer Erkrankungen definiert werden.“
Die Leitlinie beschreibt verschiedene pathophysiologische Erklärungsansätze von funktionellen Bewegungsstörungen. Sie informiert nicht nur über die Diagnostik, sondern auch über den wichtigen Bereich der Diagnosevermittlung, denn sie trägt maßgeblich zum Krankheitsverständnis und zur Krankheitsakzeptanz der Betroffenen bei. Den Behandlern wird sogar eine Auswahl an Metaphern an die Hand gegeben, um den Patientinnen und Patienten die Erkrankung laienverständlich zu erklären.
Bei den Empfehlungen zur Therapie wird die transdisziplinäre Zusammenarbeit in den Vordergrund gerückt: Die Therapien von funktionellen Bewegungsstörungen sollten ineinandergreifen und weder einseitig am Körper noch einseitig an der Psyche ansetzen. Die Säulen der Therapie bilden die psychotherapeutische, physiotherapeutische und ergotherapeutische Behandlung, eine Pharmakotherapie wird nicht empfohlen. Auch gibt es laut Leitlinie keine Evidenz für den therapeutischen Einsatz der nicht-invasiven Hirnstimulation. Die Behandlung soll unter Berücksichtigung der jeweiligen Funktionsbeeinträchtigungen, Komorbiditäten, Bedürfnisse/Defizite und Präferenzen der Betroffenen sowie der Verfügbarkeit individuell geplant und im Verlauf flexibel angepasst werden. Wichtig: Ein Facharzt/eine Fachärztin soll hauptverantwortlich die Diagnostik und Behandlung koordinieren.
An der Erstellung der neuen Leitlinie waren neben der Deutschen Gesellschaft für Neurologie die folgenden Fachgesellschaften und Organisationen beteiligt:
- Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie
- Deutsches Kollegium für Psychosomatische Medizin
- Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V.
- Deutsche Gesellschaft für Physiotherapiewissenschaften
- Deutscher Bundesverband für akademische Sprachtherapie und Logopädie
- Deutscher Verband Ergotherapie
- Schweizerische Neurologie Gesellschaft
- Österreichische Gesellschaft für Neurologie
- Arbeitsgemeinschaft für Funktionelle Neurologische Störungen
- Patienteninitiative für Funktionelle Neurologische Störungen
[1] Weissbach A. et al., Funktionelle Bewegungsstörungen, S2k-Leitlinie, 2025, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 13.03.2026)