Dekompensierte Leberzirrhose: Humanalbumin-Langzeittherapie reduziert Mortalitätsrisiko um 38 % (ANSWER-Studie)
Humanalbumin wird bisher überwiegend akut bei Komplikationen einer dekompensierten Leberzirrhose eingesetzt. Die ANSWER-Studie2 lieferte neue Evidenz für die ambulante Langzeitanwendung von Humanalbumin: Eine wöchentliche Gabe über 18 Monate reduzierte die Komplikationsrate und stationären Aufenthalte. Das Mortalitätsrisiko sank um 38 %.
In der Akuttherapie von Komplikationen einer dekompensierten Leberzirrhose hat Humanalbumin einen festen Platz. Die S2k-Leitlinie „Komplikationen der Leberzirrhose“ der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)1 empfiehlt den Einsatz u. a. bei Aszites, spontaner bakterieller Peritonitis (SBP) sowie beim hepatorenalen Syndrom (HRS). Die ANSWER-Studie liefert neue Daten zur ambulanten Langzeittherapie von Humanalbumin.
Standardtherapie (ST) vs. ST + Humanalbumin-Langzeittherapie
In die große multizentrische, randomisierte ANSWER-Studie2 wurden Patienten mit Leberzirrhose und unkompliziertem Ascites eingeschlossen, die mit Aldosteronantagonist und Schleifendiuretikum behandelt wurden. Eine Gruppe erhielt weiterhin die Standardtherapie (ST; Spironolacton ≥ 200 mg/d + Furosemid ≥ 25 mg/d), die andere Gruppe neben der ST zusätzlich Humanalbumin (HA) nach folgendem Dosierungsschema: 40 g 2x wöchentlich über 2 Wochen, anschließend 40 g/Woche über bis zu 18 Monate.
Senkung der Komplikationsrate und reduziertes Mortalitätsrisiko
Die 18-monatige Dauertherapie mit Humanalbumin führte zu einer Senkung der Komplikationsrate und der stationären Aufenthalte. Das Mortalitätsrisiko reduzierte sich um 38 %.
Die Ergebnisse im Detail:
Im Vergleich zur alleinigen Standardtherapie zeigte sich bei zusätzlicher Langzeitgabe von Humanalbumin eine …
- signifikant niedrigere Inzidenz für Parazentesen, refraktären Aszites, spontan bakterielle Peritonitis oder andere bakterielle Infektionen
- signifikante Verringerung des Auftretens von Nierendysfunktion, hepatorenalem Syndrom Typ 1 und hepatischer Enzephalopathie Grad 3 und 4
- Senkung des Mortalitätsrisikos um 38 %*
- bessere Lebensqualität und weniger Krankenhausaufenthalte und eine daraus resultierende Kosteneinsparung
S2k-Leitlinie konstatiert verbessertes Überleben
Unter Bezugnahme auf ANSWER konstatieren die Autoren der aktuellen S2k-Leitlinie: „Neuere Daten aus einer großen italienischen multi-zentrischen randomisierten Studie zeigen, dass die Langzeitanwendung von Albumin möglicherweise bei Patienten mit Aszites das Überleben verbessert. Auch wenn diese Studie noch Bestätigung braucht, hat die Langzeitgabe von Albumin bereits jetzt einen Stellenwert in der EASL-Leitlinie.“2
FAZIT: ANSWER liefert neue Evidenz für eine Langzeitanwendung von Humanalbumin bei Patienten mit wiederkehrenden Komplikationen, wie z. B. Aszites. Sie belegt eine Reduzierung der Komplikationsrate und eine Senkung des Mortalitätsrisikos um 38 % im Vergleich zu einer alleinigen Standardtherapie. Patienten haben die Chance auf eine bessere Lebensqualität und einen Gewinn an Lebenszeit.
* Von den 213 Patienten der ST-Gruppe starben innerhalb des 18-monatigen Beobachtungszeitraumes 46 Patienten; von den 218 mit ST+HA behandelten Patienten starben 38 (Kaplan-Maier 66 % vs. 77 %; p = 0,028)
Quellen:
1 Caraceni P, Riggio O, Angeli P et al. Long-term albumin administration in decompensated cirrhosis (ANSWER): an open-label randomised trial. Lancet. 2018; 391(10138):2417-2429. doi: 10.1016/S0140-6736(18)30840-7.
2 Gerbes AL et al. S2k-Leitlinie „Komplikationen der Leberzirrhose“ der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Z Gastroenterol 2019; 57: 611–680.
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