Aspekte der Nachhaltigkeit in der ästhetisch-dermatologischen Praxis

  • 9. Februar 2026
Gastbeitrag von Dr. med. Christina Hecker
(Ärztin für Dermatologie und Allergologie; AG Dermatologie KLUG e.V.)


Weitere Beiträge zum Thema „Ressourcenschonung in der Arztpraxis“ folgen.
Bereits veröffentlicht: 
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Klimaschutz und Dermatologie: eine globale Bestandsaufnahme

Umweltbilanz in der Medizin – Wege zu einer „grüneren“ Dermatologie 

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ ist allgegenwärtig – doch gerade in der Medizin gewinnt das Thema erst seit einigen Jahren an Bedeutung. Dabei bietet die ästhetisch-dermatologische Praxis zahlreiche Ansatzpunkte, um ökologische Verantwortung zu übernehmen und gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile zu erzielen. 

Vom Holz zur Hightech-Medizin: Nachhaltigkeit neu gedacht 

Das Konzept der Nachhaltigkeit entstand ursprünglich aus der Forstwirtschaft: Es sollte nicht mehr Holz geschlagen werden, als nachwachsen kann. Heute wird der Begriff deutlich umfassender verstanden. Neben ökologischen Aspekten zählen soziale Verantwortung und gute Unternehmensführung zu den Kernpfeilern nachhaltigen Handelns – zusammengefasst im ESG-Modell (Environment, Social, Governance) der Europäischen Union. 

Auch medizinische Einrichtungen sind Wirtschaftssysteme und müssen langfristig ressourcenschonend agieren. Der hohe Energie- und Materialverbrauch moderner Medizin – von Gebäudetechnik über Diagnostik und Verbrauchsmaterial bis hin zu Verkehr und Logistik – erfordert neue Strategien. 

Nachhaltigkeit in der Praxis: Kleine Schritte mit großer Wirkung 

Ein nachhaltiger Praxisbetrieb lässt sich an vielen Stellschrauben optimieren: 

  • Umstieg auf LED-Beleuchtung, Photovoltaik und moderne Heiztechnik 
  • Wassersparende Armaturen, korrekte Lüftung und bessere Isolation 
  • Digitale Terminplanung, Teledermatologie und papierlose Verwaltung 
  • Auswahl nachhaltiger Lieferanten und recycelbarer Materialien 
  • Schulungen des Personals und Integration von Nachhaltigkeit in Teamprozesse 

Auch im Operationssaal können Maßnahmen wie Mehrwegschutzkleidung, energieeffiziente OP-Lampen oder korrektes Recycling erhebliche Einsparungen ermöglichen – ökologisch wie finanziell. 

Umwelteinflüsse ästhetischer Behandlungen

In der ästhetischen Dermatologie ist der ökologische Fußabdruck besonders relevant:
Laser, Kryolipolyse und ähnliche energieintensive Verfahren verbrauchen viel Strom, der in Deutschland noch überwiegend aus fossilen Energiequellen stammt. 

Hinzu kommen Umweltaspekte bei Topika, Cosmeceuticals und Sonnenschutzmitteln. Chemische UV-Filter wie Oxybenzon oder Octocrylen gelangen über Badegewässer in Meere und tragen zur Korallenbleiche bei. Auch mineralische Filter wie Zinkoxid oder Titandioxid sind aufgrund ihrer nanoskaligen Partikel nicht unbedenklich – sie können sich in der Umwelt anreichern. 

Verpackung – ein unterschätzter Klimafaktor 

Ein Großteil der ökologischen Belastung entsteht durch Verpackungsmaterial. Bis zu 70 Prozent der Verpackungen kosmetischer Produkte gelten als nicht recycelbar. Lebenszyklusanalysen zeigen, dass die Verpackung größere Umweltauswirkungen hat als Herstellung oder Anwendung. Eine Reduktion des Plastikverbrauchs und die Nutzung nachhaltiger Materialien sind daher entscheidend. 

Fazit

Nachhaltigkeit ist längst kein Trend mehr, sondern Voraussetzung für zukunftsfähiges medizinisches Handeln. Neben ökologischen Effekten bietet sie ökonomische Einsparpotenziale und stärkt die Mitarbeiterzufriedenheit. In der ästhetischen Dermatologie bedeutet Nachhaltigkeit: bewusster Umgang mit Ressourcen, Vermeidung schädlicher Inhaltsstoffe, Reduktion von Abfall und Kooperation mit umweltorientierten Herstellern. 

Quelle:

Dennis Niebel, Su Youn Becker-Weimann. „Aspekte der Nachhaltigkeit in der ästhetisch-dermatologischen Praxis.“ Ästhetische Dermatologie & Kosmetologie, 06/2023.