Mikroplastik und dermatologische Versorgung

  • 4. Mai 2026
Gastbeitrag von Dr. med. Christina Hecker
(Ärztin für Dermatologie und Allergologie; AG Dermatologie KLUG e.V.)


Weitere Beiträge zum Thema „Ressourcenschonung in der Arztpraxis“ folgen.
Bereits veröffentlicht: 
Nachhaltigkeit in der topischen Therapie
Klimaschutz und Dermatologie: eine globale Bestandsaufnahme
Aspekte der Nachhaltigkeit in der ästhetisch-dermatologischen Praxis
Nachhaltige Transformation von Praxen und Ambulanzen
Umweltimpact dermatologischer Produktproben
Krisenresilienz: Wie Sie Ihre Praxis oder Klinik vorbereiten können
Klimaschutz und Dermatologie: eine globale Bestandsaufnahme

Ökologische Folgen, Gesundheitsrisiken und Handlungsoptionen für die Praxis

Mikroplastik ist allgegenwärtig – in Gewässern, Böden und im menschlichen Körper. Auch die dermatologische Versorgung trägt zu dieser Problematik bei. Was bedeutet das für den klinischen Alltag?

Plastikproduktion und Umwelteintrag

Von den bis 2017 produzierten 9,2 Milliarden Tonnen Kunststoff wurden lediglich etwas 600 Millionen Tonnen recycelt. Jährlich landen schätzungsweise 32 Prozent des Verpackungskunststoffs unsachgemäß in der Umwelt. Primäres Mikroplastik – z.B. aus Kosmetika – und sekundäres Mikroplastik durch Degradation akkumulieren in aquatischen und terrestrischen Ökosystemen und gefährden Biodiversität und Nahrungsketten.

Gesundheitliche Auswirkungen

Menschen nehmen Mikroplastik über Atemwege und Nahrung auf. Die gesundheitlichen Folgen sind bislang unzureichend erforscht, da Mikroplastik keine einheitliche Stoffgruppe darstellt. Polymertyp, Größe, Form und Additivierung bestimmen mögliche toxische Effekte. Bekannte Additive wie endokrine Disruptoren (z.B. Phtalate, Bisphenol A) sind jedoch als gesundheitlich problematisch eingestuft.

Plastik in der dermatologischen Praxis

Dermatologische Einrichtungen sind ressourcenintensiv: Einwegmaterialien, plastikbasierte Verpackungen für Externa sowie Mikroplastik in kosmetischen und medizinischen Produkten tragen zur Gesamtbelastung bei. Fachgesellschaften und Kliniken sind aufgefordert, Maßnahmen zur Reduktion des Plastikkonsums in der täglichen Routineversorgung zu entwickeln.

Fazit für die Praxis

Das Vorsorgeprinzip verpflichtet Ärztinnen und Ärzte, Risiken für die Gesundheit der Bevölkerung frühzeitig zu begegnen. Praxisteams können durch gezielte Produktauswahl, Verzicht auf unnötige Einwegprodukte und Patientenaufklärung einen aktiven Beitrag zu Ressourcenoptimierung leisten. Weiterer Forschungsbedarf besteht insbesondere hinsichtlich Langzeitfolgen der Mikroplastikexposition.

Schlagwörter: Nachhaltigkeit, Vorsorgeprinzip, Endokrine Disruptoren, Kosmetische Inhaltsstoffe, Dermatologische Versorgung
Quelle: S. Saha, C. Laforsch, A. Ramsperger, D. Niebel
DOI: https://doi.org/10.1007/s00105-022-05035-z

Zum vollständigen Artikel