Nachhaltigkeit in der topischen Therapie

  • 13. April 2026
Gastbeitrag von Dr. med. Christina Hecker
(Ärztin für Dermatologie und Allergologie; AG Dermatologie KLUG e.V.)


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Problematische Inhaltsstoffe und ökologische Alternativen in dermatologischen Externa

Mineralöle, Silikone und Kunststoffpolymere gehören zu den meistgenutzten Grundlagen topischer Präparate – doch ihr Einsatz steht zunehmend im Widerspruch zu ökologischen Nachhaltigkeitszielen. Ein aktueller Überblick zeigt Alternativen auf.

Hintergrund und Relevanz

Externa sind in der Dermatologie eine zentrale Behandlungsoption. Viele galenische Grundlagen enthalten jedoch Mineralöle, Silikone, Acrylate und Polyethylenglycole (PEG), die biologisch kaum abbaubar sind und sich in der Umwelt sowie der Nahrungskette anreichern können. Die Autoren dieser Übersichtsarbeit aus dem Universitätsklinikum Freiburg und weiteren deutschen Zentren fordern einen kritischen Umgang mit diesen Stoffen.

Mineralöle und MOSH/MOAH-Kontaminationen

Mineralölbasierte Substanzen wie Paraffinum liquidum, Vaseline oder Cera microcristallina werden wegen ihrer galenischen Vorzüge – Stabilität, Inertheit, Preiswürdigkeit – weithin eingesetzt. Bei ihrer Herstellung entstehen jedoch potenziell karzinogene und lebertoxische MOSH- und MOAH-Verbindungen. Obwohl die aktuellen Konzentrationen in Topika als klinisch unbedenklich gelten, ist eine Anreicherung über die Nahrungskette nicht auszuschließen.

Nachhaltige Alternativen

Pflanzliche Öle und Wachse, Biopolymere wie Agar-Agar, Pektin oder biotechnologisch hergestellte Hyaluronsäure stellen zukunftsfähige Alternativen zu synthetischen Komponenten dar. Auch bei Verpackungen überrascht die Ökobilanz: Glas schneidet in Lebenszyklusanalysen schlechter ab als adäquat recycelter Kunststoff oder Aluminium. Die Autoren fordern gesetzliche Anreize für nachhaltigere Formulierungen.

Fazit für die Praxis

Die Umstellung auf ökologisch verträglichere Grundlagen ist technisch anspruchsvoll, aber möglich. Dermatologinnen und Dermatologen sollten bei der Verordnung und Empfehlung von Externa verstärkt Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen – sowohl bei Fertigpräparaten als auch bei Individualrezepturen.

Schlagwörter: Naturkosmetik, Nachhaltige Verpackungen, Kosmetische Inhaltsstoffe, Galenik, Externa
Quelle: C. M. Schempp, K. Schwabe, B. Kurz, D. Niebel, S. Y. Becker-Weimann
DOI: https://doi.org/10.1007/s00105-022-05086-2

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