Nachhaltigkeit in der topischen Therapie
| Gastbeitrag von Dr. med. Christina Hecker (Ärztin für Dermatologie und Allergologie; AG Dermatologie KLUG e.V.) Weitere Beiträge zum Thema „Ressourcenschonung in der Arztpraxis“ folgen. Bereits veröffentlicht: Klimaschutz und Dermatologie: eine globale Bestandsaufnahme Aspekte der Nachhaltigkeit in der ästhetisch-dermatologischen Praxis Nachhaltige Transformation von Praxen und Ambulanzen Umweltimpact dermatologischer Produktproben Krisenresilienz: Wie Sie Ihre Praxis oder Klinik vorbereiten können Klimaschutz und Dermatologie: eine globale Bestandsaufnahme |
Problematische Inhaltsstoffe und ökologische Alternativen in dermatologischen Externa
Mineralöle, Silikone und Kunststoffpolymere gehören zu den meistgenutzten Grundlagen topischer Präparate – doch ihr Einsatz steht zunehmend im Widerspruch zu ökologischen Nachhaltigkeitszielen. Ein aktueller Überblick zeigt Alternativen auf.
Hintergrund und Relevanz
Externa sind in der Dermatologie eine zentrale Behandlungsoption. Viele galenische Grundlagen enthalten jedoch Mineralöle, Silikone, Acrylate und Polyethylenglycole (PEG), die biologisch kaum abbaubar sind und sich in der Umwelt sowie der Nahrungskette anreichern können. Die Autoren dieser Übersichtsarbeit aus dem Universitätsklinikum Freiburg und weiteren deutschen Zentren fordern einen kritischen Umgang mit diesen Stoffen.
Mineralöle und MOSH/MOAH-Kontaminationen
Mineralölbasierte Substanzen wie Paraffinum liquidum, Vaseline oder Cera microcristallina werden wegen ihrer galenischen Vorzüge – Stabilität, Inertheit, Preiswürdigkeit – weithin eingesetzt. Bei ihrer Herstellung entstehen jedoch potenziell karzinogene und lebertoxische MOSH- und MOAH-Verbindungen. Obwohl die aktuellen Konzentrationen in Topika als klinisch unbedenklich gelten, ist eine Anreicherung über die Nahrungskette nicht auszuschließen.
Nachhaltige Alternativen
Pflanzliche Öle und Wachse, Biopolymere wie Agar-Agar, Pektin oder biotechnologisch hergestellte Hyaluronsäure stellen zukunftsfähige Alternativen zu synthetischen Komponenten dar. Auch bei Verpackungen überrascht die Ökobilanz: Glas schneidet in Lebenszyklusanalysen schlechter ab als adäquat recycelter Kunststoff oder Aluminium. Die Autoren fordern gesetzliche Anreize für nachhaltigere Formulierungen.
Fazit für die Praxis
Die Umstellung auf ökologisch verträglichere Grundlagen ist technisch anspruchsvoll, aber möglich. Dermatologinnen und Dermatologen sollten bei der Verordnung und Empfehlung von Externa verstärkt Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen – sowohl bei Fertigpräparaten als auch bei Individualrezepturen.
Schlagwörter: Naturkosmetik, Nachhaltige Verpackungen, Kosmetische Inhaltsstoffe, Galenik, Externa
Quelle: C. M. Schempp, K. Schwabe, B. Kurz, D. Niebel, S. Y. Becker-Weimann
DOI: https://doi.org/10.1007/s00105-022-05086-2